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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 196 -
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196 Die Organisierung der Kriegsbeschädigten Schon kurz nach dem ersten folgte ein weiterer Bericht aus Vorarlberg, wo sich erneut  – diesmal in Feldkirch  – Betroffene zusammengeschlossen hatten. Über diese Gruppe ist mehr bekannt, da sie ihre Ziele in einem Drei-Punkte-Programm nie- dergelegt hat : Die Vereinigung beabsichtigte, die pünktliche Auszahlung von Versor- gungsgebühren und anderen Unterstützungen sicherzustellen, die Arbeitsvermittlung für Kriegsbeschädigte vor Ort zu fördern und „in ihren Reihen und unter ihren Mit- gliedern zu sorgen, dass keiner verlottere und die Invalidenehre verletze“.8 Diese beiden kurzen Berichte sind die einzigen konkreten Hinweise in den Akten der Zentralbehörden auf eine Selbstorganisation von Kriegsbeschädigten in Öster- reich vor dem Kriegsende. Inwieweit die noch in enger Verbindung mit Fürsorge- vereinen (in diesem Fall mit dem Silbernen Kreuz) stehenden Organisationsversuche ernsthaft als Vorläufer der großen Kriegsbeschädigtenvereine der Zwischenkriegszeit zu sehen sind, sei dahingestellt. Die eigentliche Organisierung von Kriegsbeschädig- ten sollte schließlich auch nicht vom westlichsten Bundesland Österreichs, sondern von Wien ausgehen. Trotzdem erscheinen diese ersten  – leider nur ganz lückenhaft re- konstruierbaren  – Versuche erwähnenswert, und zwar als Anzeichen eines sich ankün- digenden Organisierungsbedürfnisses der Kriegsbeschädigten sowie möglicherweise auch eines in Ansätzen entstehenden Gruppengefühls. Die Vertretung gemeinsamer Interessen und die Aufrechterhaltung eines gewissen Selbstbewusstseins waren  – wie das zweite Beispiel zeigt  – deklarierte Ziele der jungen Gruppierungen. Die Rede von der „Invalidenehre“ ist dabei Appell und Abgrenzung gleichermaßen : Appell an Kriegsbeschädigte, einem vom Soldatischen kommenden Ehrbegriff treu zu bleiben, und Abgrenzung von jenen, die vermeintlich jeden Halt verloren hatten. Die Gruppe war solcherart für ihre Mitglieder (mentale) Unterstützung, aber auch Kontrollinstanz. Anders als in Deutschland oder etwa in Frankreich, wo sich bedeutende Kriegsbe- schädigtenorganisationen schon während des Krieges gebildet hatten,9 fiel der wirkli- che Startschuss für solche Bestrebungen in Österreich erst in den Tagen des Übergangs von der Monarchie zur Republik. Die erste Vereinigung, von der berichtet wird, ist der Verein der Kriegsinvaliden. Er legte dem Staatsrat seine Forderungen  – unter anderem 8 Ebd., Kt. 1362, 17558/1918. 9 In Deutschland wurden die ersten Vereine  – vor allem der Bund (später : Reichsbund) der Kriegsbeschä- digten und ehemaligen Kriegsteilnehmer, ab 1919 : Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen  – schon 1917 (der Bund erblindeter Krieger sogar schon 1916) gegründet ; siehe Robert Weldon Whalen, Bitter Wounds. German Victims of the Great War, 1914–1939, Ithaca-London 1984, S.  120f ; James M. Diehl, The Organization of German Veterans 1917–1919, in : Archiv für Sozial- geschichte, 11 (1971), S.  139–184. In Frankreich bildeten sich lose regionale Klubs schon 1916 ; siehe Antoine Prost, In the Wake of War : Les Anciens Combattants and French Society, 1914–1939, Oxford 1992, S.  30. Prost nennt als erste derartige Vereinigung die 1915 gegründete Association générale des muti- lés de la guerre ; siehe ebd., S.  28.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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