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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 218 -
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218 Das Invalidenentschädigungsgesetz lung insbesondere in der Auseinandersetzung um die Frage, ob Kriegsbeschädigte als Helden aufzufassen seien oder nicht. Zunächst führte der christlichsoziale Abgeord- nete Josef Aigner26 aus : „Wenn seinerzeit ein öffentliches Blatt geschrieben hat, unsere Invaliden und Gefallenen, sie seien keine Helden, Märtyrer seien sie und bloß Märtyrer, sage ich : Nun, meine Invaliden, der Mann, der das geschrieben hat, ist auch ein Held, aber ein trauriger Held, der niemals eine Kugel pfeifen, niemals ein Schrapnell heulen und eine Granate krepieren gehört hat. (Zustimmung) Unsere Invaliden denken zum weitaus größten Teil nicht anders. Rufen sie heute einen aktiven Diener aus dem Tiroler Lande herein […], aus Oberösterreich, Salzburg, Kärnten und der Steiermark und sagen Sie ihm ins Gesicht, er sei kein Held, er sei bloß ein Märtyrer gewesen, er wird Sie handgreiflich einer anderen Ansicht belehren.“27 Die Antwort des sozialdemokratischen Abgeordneten Anton Hölzl28 folgte am Tag darauf : „Wenn mein Herr Vorredner […] bemerkte, daß die Kriegsbeschädigten nicht als Märty- rer, sondern als Helden angesehen werden wollen, so kann ich diese Auffassung nur sehr bedingt gelten lassen. Er sagte, daß sie deshalb als Helden gelten wollen, weil sie für ideale Güter geblutet haben. Wenn diese Auffassung richtig wäre, so müßte sie ebenso den ande- ren Völkern zugebilligt werden. […] Heute sehen die meisten der Kriegsopfer, daß sie doch nichts anderes waren als die Opfer der dynastischen und imperialistischen Interessen. […] Ich würde dem […] Herrn Dr. Aigner empfehlen, in Versammlungen der Kriegsblinden, der Gelähmten, der Zitterer, der Tuberkulösen und der anderen vielen Kriegsopfer zu gehen“.29 In dieser kurzen Wechselrede wird klar sichtbar, was die parlamentarische Diskussion durchgängig kennzeichnete : Es gab zwischen den politischen Lagern keine Diskus- sion darüber, ob eine staatliche Verpflichtung zur Versorgung der Kriegsbeschädigten bestehe, sondern nur darüber, warum diese gegeben sei. Es dürften  – insbesondere in 26 Dr. Josef Aigner (*1884, †1947), Jurist, Landesbeamter, 1919–1934 Abgeordneter der CSP, Landespar- teiobmann der CSP Oberösterreich ; http://www.parlament.gv.at/WW/DE/PAD_00031/pad_00031. shtml (Abfrage : 28.7.2011). 27 Sten. Prot. KN, II. Session, 10. Sitzung v. 24.4.1919, S.  264. 28 Anton Franz Hölzl (*1874, †1946), Schriftsetzer, 1919–1934 Abgeordneter der SdAP, 1918 Mitglied der Bezirksvertretung Wien-Favoriten, Vorstandsmitglied der Urania, Obmann des Arbeiter-Abstinenten Bun- des ; http://www.parlament.gv.at/WW/DE/PAD_00613/pad_00613.shtml (Abfrage : 28.7.2011). Hölzl war vermutlich der wichtigste Vertreter von Kriegsbeschädigteninteressen im Parlament. 29 Sten. Prot. KN, II. Session, 11. Sitzung v. 25.4.1919, S.  274.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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