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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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231Neue Bestimmungen 4. vom Jahreseinkommen des Geschädigten vor Eintritt des schädigenden Ereignisses (§ 13). Tatsächlich traten aber niemals alle vier Faktoren zugleich in Wirksamkeit. Die Ren- tenhöhe ergab sich entweder aus der MdE sowie dem früheren Einkommen des Ge- schädigten oder es wurden  – und dieses Schema war für jene Anspruchsberechtigten vorgesehen, die zuvor noch nicht erwerbstätig gewesen waren  – auf Basis der MdE der unter Punkt 2 genannte Wohnort sowie die unter Punkt 3 genannte Vorbildungsstufe zur Bemessung der Rente herangezogen.62 8.5.2 Die MdE : Erwerbsarbeit als Maßstab Der Arzt des Invalidenamtes Wien Adolf Deutsch,63 vermutlich die Zentralfigur bei der Ausarbeitung von Richtlinien zur medizinischen Begutachtung der Kriegsbeschä- digten, definierte den Gegenstand der Entschädigung aus medizinischer Sicht so : „Entschädigt werden nur die wirtschaftlichen Folgen der Kriegsbeschädigung, nicht die Ver- wundung an sich oder erlittene Schmerzen, nicht Beschwerden an sich oder dergleichen. Nicht die anatomische Schädigung, sondern der funktionelle Ausfall wird entschädigt.“64 Inhaltlich bietet diese Definition zunächst nichts wesentlich anderes, als man schon von der Kriegszeit her  – insbesondere seit 1915  – kannte,65 aber in derart präzise Worte gegossen, war es doch auch neu. Nicht in der Definition dessen, was entschädigt wird, sondern im expliziten Ausschluss dessen, was gerade nicht entschädigt wird, ist 62 Für jedes Kind bis zum vollendeten 18. Lebensjahr erhielten Anspruchsberechtigte zusätzlich ein Zehn- tel der auf die eine oder die andere Art berechneten Rente. 63 Dr. Adolf Abraham Deutsch (*1867, †1943) wurde vom Volksgesundheitsamt im Staatsamt für sozi- ale Fürsorge mit der Ausarbeitung von Begutachtungsrichtlinien zur Bewertung der MdE beauftragt. Deutsch war mit der Thematik bereits während des Krieges befasst gewesen und publizierte nun im Auftrag des Volksgesundheitsamtes mehrere Handbücher zu diesem Thema. Nach 1918 fungierte er als Amts- und Invalidenarzt des Wiener Invalidenamtes. Deutsch war auch Mitglied der von Sigmund Freud gegründeten Psychologischen Mittwochsgesellschaft und der aus dieser hervorgegangenen Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Deutsch wurde am 12.1.1943 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 22.1.1943 ; Elke Mühlleitner, Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938, Wien 1992. 64 Adolf Deutsch, Anleitung zur Feststellung der Erwerbseinbusse bei Kriegsbeschädigten (= Veröffentli- chungen des deutschösterreichischen Staatsamtes für Volksgesundheit 1), Wien 1920, S.  6. 65 Vgl. dazu Kapitel 2.4.2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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