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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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261Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 Gruppe, gegenseitige Diffamierungen und mehrere Abspaltungen kennzeichneten diese eineinhalb Jahre. Es herrschte  – wie der Autor einer Jubiläumsschrift rückblickend fest- stellte  – „die große Tragik im gegenseitigen Bekämpfen“.2 Am Ende aber hatte sich der Zentralverband durch eine kluge interne Reorganisation als wirklicher Dachverband eta- bliert und war in der Lage, die verschiedenen Strömungen, die vor allem zwischen Wien und den Bundesländern, aber auch innerhalb der mächtigen  – und zugleich ideologisch stark fraktionierten  – Wiener Bewegung existierten, unter einem Dach zu vereinen und relativ ungleichen Gruppierungen als organisatorische Klammer zu dienen.3 Trotzdem beherrschte er schon ab dem Frühjahr 1919 das Feld nicht mehr alleine.4 Andere Or- ganisationen  – unter denen schließlich die christlichsoziale Vereinigung (ab 1924 unter dem Namen Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs) am bedeutendsten wurde  – waren neben ihm entstanden. Freilich änderten diese Gruppierungen bis 1934 nichts am De- facto-Monopol des Zentralverbandes, dessen Vormachtstellung unter den Kriegsbeschä- digtenorganisationen  – nicht zuletzt wegen seines unübertroffenen Serviceangebots (Beratungsnetz, Mitgliederbetreuung, Güterverteilung)  – unbestritten blieb. Erstmals war Ende März 1919 von nicht näher beschriebenen „Parteiungen“ im Verband die Rede.5 Zum offenen Konflikt kam es dann beim ersten Delegiertentag des Zentralverbandes, der im April 1919 zu den Osterfeiertagen stattfand,6 „eine ziemliche Palastrevolution“7 war und das Ende der Präsidentschaft Johann Jakob Hollitschers bedeutete.8 Die Konfliktlinien wurden in der Zeitschrift des Vereins, dem Invaliden, nie explizit ausgesprochen, sie dürften aber entlang (partei-)politischer Differenzen und entlang des Stadt-Land-Gegensatzes verlaufen sein. Die Rede von „destruktiven Elementen“9 zog sich von nun an durch die Ausgaben des Blattes. Der Tagespresse 2 Friedrich Karrer, Geschichte der Kriegsopferorganisationen 1919–1979, in : Wilhelm Hasiba (Hg.), 60 Jahre Kriegsopferversorgung in Österreich, o. O. [Wien] 1979, S.  37–40, hier S.  38. 3 Zu dieser internen Konsolidierung siehe weiter hinten Kapitel 9.3. 4 Zu der äußerst unübersichtlichen Situation vgl. auch Tabelle 1 im Anhang. 5 Der Invalide, Nr. 7 v. 1.4.1919, S.  3. 6 Der Delegiertentag, bei dem auf 30 ordentliche Mitglieder ein Delegierter kam, wurde am 20. und 21.4.1919 im Wiener Militärkasino abgehalten ; Ankündigung : Der Invalide, Nr. 6 v. 15.3.1919, S.  1 ; Tagesordnung : Der Invalide, Nr. 8 v. 15.4.1919, S.  1. Wie schon bei der Gründungsversammlung nahm wieder  – diesmal in der Person Laurenz Widholz’  – ein sozialdemokratischer Abgeordneter an der Zu- sammenkunft teil. Der Delegiertentag sollte alle zwei Jahre stattfinden ; Der Invalide, Nr. 10 v. 15.5.1919, S.  1. In der Presse war von den Konflikten nichts zu lesen ; Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, Wiener Abendpost (Beilage zur Wiener Zeitung) v. 22.4.1919. 7 Rupert Kainradl, Vor zehn Jahren. Aus den Anfängen der Kriegsopferbewegung, in : Neues Werden. Of- fizielles Organ des Landesverbandes Niederösterreich der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1928, S.  1–8, hier S.  8. 8 Sein Nachfolger, der Kärntner Karl Kotschera, wurde nach wenigen Monaten wieder abgewählt ; ebd. 9 „Das erste Jahr unserer Zeitung“, in : Der Invalide, Nr. 22 v. 15.11.1919, S.  1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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