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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 262 -
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262 Die Invalidenbewegung ist zu entnehmen, dass einige Vertreter aus der Provinz den Delegiertentag schon am Morgen des zweiten Tages verlassen hatten und die Delegierten der Ortsgruppe Wien X, der Invalidenschulen und der Kriegsblinden diesem Beispiel wenig später gefolgt waren.10 Der Invalide wandte die heftigen Auseinandersetzungen ins Posi- tive, bezeichnete sie als „reinigendes Gewitter“, behauptete, dass die zuvor nur lose an den Zentralverband angegliederten Landesverbände jetzt geschlossen hinter ihm stünden, und stellte fest : „Alles was faul und morsch war, wurde gestürzt und nur die lebendigen Triebe haben den Sturm überdauert“.11 Die Führung des Zentralver- bandes bemühte sich in der Folge, die Überparteilichkeit der Organisation noch stär- ker herauszustreichen,12 grenzte sich aber zugleich eindeutig von den Kommunisten ab.13 Die Teilnahme von Kriegsbeschädigten an den kommunistischen Unruhen drei Tage vor dem Delegiertentag („Gründonnerstagsputsch“14) wurde als Missbrauch der Kriegsbeschädigten zu politischen Zwecken gebrandmarkt, der Zentralverband mel- dete an die Tagespresse, er habe „mit den Donnerstagsereignissen nichts zu tun“.15 Derartig in interne Probleme verstrickt, wurde das nur vier Tage nach dem Dele- giertentag erlassene Invalidenentschädigungsgesetz im Invaliden geradezu stiefmüt- terlich behandelt.16 Es waren die Streitigkeiten, die von nun an bestimmendes Thema der Zeitung wurden. Der Ton der Artikel war dabei appellativ und kalmierend, wenn es um innere Auseinandersetzungen ging, und harsch, wenn es um  – allerdings anfangs nie beim Namen genannte  – „Gegner“ außerhalb des Verbandes ging.17 10 Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, Der neue Tag v. 27.4.1919. 11 Der Invalide, Nr. 9 v. 1.5.1919, S.  1. 12 Das war angesichts wiederholter Vorwürfe, etwa bürgerliche und bäuerliche Schichten nicht im gleichen Ausmaß zu vertreten, auch immer wieder notwendig ; z. B. Der Invalide, Nr. 21 v. 1.11.1919, S.  3f. 13 Zur überparteilichen Haltung vgl. z. B. die Darstellung des Zentralverbandes : Wienbibliothek, Tagblatt- archiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, Arbeiter-Zeitung v. 6.5.1919 ; zur Abgrenzung von den Kommunisten z. B. Weißsteiners Rede bei der Generalversammlung der Ortsgruppe und Bezirksstelle Gmunden am 1.6.1919 ; Der Invalide, Nr. 12 v. 15.6.1919, S.  6 ; vgl. auch eine entsprechende distanzie- rende Mitteilung des Zentralverbandes an die Presse : Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsop- ferverband 1917–1932, Arbeiter-Zeitung v. 19.4.1919. 14 Bei den als „Gründonnerstagsputsch“ in die Geschichte eingegangenen Unruhen versuchten öster- reichische Kommunisten erfolglos, eine Räterepublik nach ungarischem Vorbild zu erzwingen ; siehe u. a. Hans Hautmann, Die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916–1919 (= Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte der Ar- beiterbewegung in Österreich 7), Wien 1970, S.  90–95. 15 Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, „Die Organisation der Invali- den“, in : Arbeiter-Zeitung v. 19.4.1919 ; siehe auch schon Der Invalide, Nr. 5 v. 1.3.1919, S.  4. 16 Zur Aufnahme des IEG durch den Zentralverband vgl. genauer Kapitel 10.1. 17 Z. B. Der Invalide, Nr. 12 v. 15.6.1919, S.  1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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