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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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264 Die Invalidenbewegung am 9. Mai 1919 : Kriegsbeschädigte des Kriegsspitals Nr. 4 in Schönbrunn riefen den  – nicht nur nach Einschätzung der Vereinspolizei  – „stark kommunistisch[en]“22 Zentralrat der deutsch-österreichischen Kriegsbeschädigten ins Leben.23 Kommunistische Unruhen eine Woche später, am 15. Juni 1919, forderten zwei Todesopfer unter den Kriegsbeschädigten des Schönbrunner Kriegsspitals.24 Zentralrat und Sozialwirtschaftlicher Reichsbund stellten sich explizit gegen den Zentralverband und gründeten in der Folge gemeinsam den Reichsverband der Kriegs- invaliden-, Kriegerwitwen- und Kriegerwaisen-Organisationen Österreichs,25 den sie als alternative Dachorganisation ausbauen wollten. Damit waren dem Zentralverband in Wien zwei oppositionelle Gruppierungen zugewachsen. Zählt man den unbedeu- tenderen Reichsvollzugsausschuss der Invalidenräte26 noch hinzu, der sich im Wesent- lichen auf die Vertretung der in den Spitälern untergebrachten Kriegsinvaliden be- schränkte, so waren es drei. Diese neuen Organisationen erhoben alle den Anspruch, Kriegsbeschädigte aus ganz Österreich zu vertreten, und nannten sich in den un- terschiedlichsten Varianten „Reichs“-Zentralen, doch ihre Wirksamkeit entfalteten sie praktisch nur in der Hauptstadt.27 Ihre Mitgliederzahlen blieben gemessen an jenen des Zentralverbandes äußerst bescheiden, und insofern waren sie tatsächlich das, was der Zentralverband gerne in ihnen sehen wollte, nämlich „unbedeutende 13201/1919, RB an StAfsV v. 9.5.1919. Der Konflikt zwischen den beiden Männern wird wiederholt angesprochen ; z. B. Der Invalide, Nr. 16 v. 15.8.1919, S.  7. Etwa zur selben Zeit  – im Juni 1919  – sagte sich auch die im Februar 1919 gegründete Ortsgruppe Wien XVIII vom Zentralverband los, sie schloss sich ihm aber im September schon wieder an ; ebd., Nr. 20 v. 15.10.1919, S.  8. 22 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, BPDion Wien/VB v. 1.10.1919. 23 Konstituierung : 9.5.1919, Ende der Untersagungsfrist : 22.5.1919 ; ebd., Kt. 1368, 32133/1919 ; ebd., Kt. 1559, Sa 44. Umbenennung in Zentralrat der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen : 6.11.1919 ; ebd., Kt. 1569, Sa 132, 2755/1921, BPDion Wien/VB v. 23.1.1921. Zentrale Figuren des Zentralrates waren Hans Mentschl, Robert Holy und Raimund Kalinka. 24 Johann Weidlinger und Adolf Baldessari ; Der Invalide, Nr. 13 v. 1.7.1919, S.  1. Zu den Unruhen siehe Hautmann, Die Anfänge der linksradikalen Bewegung, S.  116–121. 25 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 46, 1429/1920, RVerb an StAfsV v. 12.1.1920. Die Gründung des Reichsverbandes erfolgte im November 1919 ; ebd., Kt. 1368, 32877/1919. 26 Ebd., Kt. 1366, 11595/1919 ; ebd., Kt. 1396, 6854/1922 ; die Gruppe trat auch unter diesen Namen auf : Reichsvollzugsausschuss der Invalidenräte der Heilanstalten und Fürsorgeanstalten für Kriegsbeschädigte ; ebd., Kt. 1401, 16560/1922 ; oder : Reichsvollzugsausschuss der Anstaltsinvaliden ; ebd., Kt. 1406, 28290/1922. Die außerhalb Wiens untergebrachten „Anstaltsinvaliden“ grenzten sich ab und gründeten den Zentral- rat der Invalidenheime der Provinzen Österreichs ; ebd., Kt. 1397, 9734/1922, Vertreter des Invalidenhei- mes Graz an StAfsV v. 23.4.1922. 27 Der Versuch des Sozialwirtschaftlichen Reichsbundes etwa, die Landesorganisationen auf seine Seite zu ziehen, scheiterte und verursachte sogar ein engeres Zusammenrücken der Landesorganisationen und des Zentralverbandes, indem Erstere erklärten, geschlossen hinter dem Zentralverband zu stehen ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 10170/1920, ZV an StAfsV v. 24.3.1920.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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