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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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265Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 Zwergorganisationen“.28 Dennoch hatten sie das Potenzial, die Invalidenbewegung ordentlich durcheinander zu rütteln, und trugen zu einer starken Polarisierung und Verwirrung unter den Kriegsbeschädigten bei. Heinrich Gallos,29 der ironischerweise später im Zentralverband selbst zum Spaltpilz werden sollte, aber damals vor allem mit dem Aufbau eines Invalidenorchesters beschäftigt war, formulierte es in seinem  – letztlich unerhört verhallten  – Einigungsaufruf „An die Invaliden Deutschösterreichs“ im Herbst des Jahres 1919 so : „[…] die Zersplitterung der Invalidenschaft wurde immer ärger. Anstatt sich zu vereinigen und geschlossen für das Wohl der gesamten Invalidenschaft zusammenzuarbeiten, schaffte man neue Organisationen (Konkurrenzverbände der Invaliden), gründete Zeitungen, um ei- nander zu bekämpfen, eine Flugschrift um die andere, strotzend vor Anklagen und Verleum- dungen erschien, nur für praktischen und sachlichen Inhalt hat man wenig übrig. Wohin soll dieser Wahnwitz führen ?  … Leider sind diese unsinnigen Schriften nicht ohne Einfluß auf die Invalidenschaft geblieben. […] Gegenwärtig haben wir die schönste Desorganisation und, was das Schönste dabei ist, die Invaliden werden, wenn die Wühlereien nicht bald aufhören, kaum mehr wissen, wohin sie eigentlich gehören.“30 Auch die staatlichen Stellen waren über die Entstehung neuer Gruppierungen nicht glücklich, und sahen  – wie es das Zivilkommissariat im Staatsamt für Heerwesen ge- genüber dem Staatsamt für soziale Fürsorge unmittelbar nach der Bildung des Sozi- alwirtschaftlichen Reichsbundes ausdrückte  – „in der Gründung einer separatistischen Invalidenorganisation eine direkte Gefährdung der Interessen der im Zentralverband organisierten Invalidenschaft“.31 „Auf keinen Fall könnten die Staatsämter und Behörden, die in dem Zentralverband der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten die einzige Vertretung der organisierten Inva- lidenschaft Deutschösterreich (derzeit 90.000 Invalide) erblicken, auch noch mit anderen sogenannten ‚wilden Organisationen‘, die eben nur kleinste Bruchteile der Invalidenschaft unter sich haben, separat verhandeln oder denselben eigene Vertretungen in Aemtern […] zugestehen. Es würde sich hiedurch eine grosse Zahl von Verhandlungen und Sitzungen mit verschiedenen Invalidenorganisationen, eine wesentliche Belastung der Arbeitsleistung der 28 Der Invalide, Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  4. 29 Zu Gallos vgl. Kapitel 7.2.2. 30 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 46, 25160/1919, Heinrich Gallos : An die Invaliden Deutschösterreichs !, v. September 1919. 31 Ebd., Kt. 1366, 13201/1919, StAfH/Zivilkommissariat v. 7.5.1919.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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