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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 266 -
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266 Die Invalidenbewegung Staatsämter, sowie insbesondere eine schleppende Erledigung der Anliegen der Invaliden durch die Staatsämter ergeben, wodurch wiederum Missstimmung und Unruhen unter den Invaliden provoziert würden, was sicherlich nicht im Interesse des Staates gelegen wäre.“32 Die Reaktion des Zentralverbandes auf die neue Situation war zunächst differenziert. In der Zeitung wurden die Abspaltungen ignoriert, in öffentlichen Versammlungen wurde ihnen der Kampf angesagt,33 und von der Führungsebene wurden Einigungs- verhandlungen initiiert.34 Letztere schienen kurzfristig Erfolg gehabt zu haben, denn Anfang Juli 1919 veröffentlichte der Invalide eine Erklärung der verfeindeten Gruppen, in der alle gegenseitigen Beschuldigungen und Anwürfe als aufgeklärt be- zeichnet wurden und „[d]ie Einigung der Invalidenschaft“35 verkündet wurde. Diese Einigung war jedoch nur von kurzer Dauer ; kaum war sie geschmiedet, zerbrach die Allianz wieder und weitere Fusionierungsverhandlungen blieben erfolglos.36 Die Konflikte traten schon im Sommer wieder offen hervor und gewannen nun weiter an Schärfe.37 Der Zentralverband schaltete eine härtere Gangart ein. Er grenzte sich einerseits dezidiert vom Zentralrat ab, mit dem er aufgrund der Namensähnlich- keit oft verwechselt wurde, und warf ihm unlautere Sammelmethoden vor.38 Und er brachte andererseits gegen Funktionäre, die zum Sozialwirtschaftlichen Reichsbund übergewechselt waren und nun in der Zeitung desselben gegen den Zentralverband hetzten, Ehrenbeleidigungsklagen ein. Der Ton des Invaliden änderte sich : Jene, die ihre „Wühlarbeit“ und ihr „Verräterhandwerk“39 ausübten, wurden nun beim Namen 32 Ebd. 33 Mitglieder des Zentralverbandes beschlossen in einer „imposanten Kundgebung“ am 6.6.1919, „dass sich der Zentralverband der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten von gar niemandem beeinflussen lassen soll und dass gegen alle Elemente, die andere Zwecke verfolgen, der Kampf aufgenommen werden soll“ ; Der Invalide, Nr. 12 v. 15.6.1919, S.  7. 34 Wenn auch wenig ernsthaft : Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, Arbeiter-Zeitung v. 6.5.1919. 35 Die Erklärung datiert vom 21.6.1919 und wurde vom Zentralverband, vom Zentralrat, vom Sozialwirt- schaftlichen Reichsbund, vom Reichsvollzugsausschuss der Invalidenräte und vom Kriegsverband unterzeich- net ; Der Invalide, Nr. 13 v. 1.7.1919, S.  3. 36 Ebd., Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  4. Nach Gesprächen am 21.9.1919, an denen Vertreter des Zentralverbandes, des Sozialwirtschaftlichen Reichsbundes, des Zentralrates und des Verbandes der kriegsbeschädigten Intellek- tuellen Deutsch-Österreichs teilnahmen, wurde erneut völlig voreilig die „restlose Einigung der Invali- denschaft“ verkündet ; ebd., Nr. 19 v. 1.10.1919, S.  4. Von diesen Einigungsgesprächen berichtete auch die Polizeidirektion Wien ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, 27588/1919, PDion Wien an StAfsV v. 1.10.1919. 37 Siehe vor allem Der Invalide, Sonderausgabe v. August 1919. 38 Ebd., Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  12. 39 Ebd., Nr. 17 v. 1.9.1919, S.  6.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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