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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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269Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 leichtfertigen Umgang mit dem Revolver pflegte,56 benutzte die Organisation, um mit den einlangenden Spenden einen regen Handel aufzubauen.57 Schließlich wur- den polizeiliche Ermittlungen gegen den Verein eingeleitet, das Kriegswucheramt trat in Aktion58 und das Bundesministerium für soziale Verwaltung überlegte, die Reichs- vereinigung von der Weihnachtssubvention 1920 auszuschließen.59 Obwohl Mentschl und seine inkriminierten Kollegen von ihren Vorstandsfunktionen zurücktraten und das Strafverfahren wieder eingestellt wurde,60 gab es Beschwerden über Missstände im Vorstand auch in den folgenden Jahren.61 Berichte über illegale Sammeltätigkeit und mangelhafte Buchführung alarmierten das Sozialministerium wiederholt, aber es schreckte davor zurück, den Verein, der nach Schätzungen des Ministeriums etwa 20.000 Personen vertrat, einfach aufzulösen.62 Es machten sich jedoch gerade 1921 erste Zerfallserscheinungen bemerkbar ; manche Mitglieder der Reichsvereinigung ver- ließen den Verband und wechselten entweder zum Zentralverband 63 oder zum neuen Zentralrat,64 andere gründeten selbstständige Ortsgruppen.65 Die neue Reichsvereinigung war politisch nicht klar einzuordnen. Sie grenzte sich 1921 gleichermaßen von kommunistischen wie von reaktionären Kreisen ab.66 Ihr Pu- blikationsorgan, der Österreichische Kriegsinvalide, pflegte gegenüber der Regierung 56 Bei einer Versammlung der beiden verfeindeten Fraktionen des ehemaligen Zentralrates am 5.12.1920 bedrohte er einen Kriegsbeschädigten mit dem Revolver ; Franz Haas, Eine bewegte Invalidenversamm- lung, in : Der Invalide, Nr. 23 v. 16.12.1920, S.  5. Franz Haas gehörte zur ausgeschlossenen Fraktion. 57 Menschl und seine Mitstreiter verkauften zum Beispiel vom amerikanischen Roten Kreuz gespen- dete Kondensmilch oder Stoff und Bekleidung weiter ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1569, Sa 132, 35321/1920, Neue Freie Presse, Abendblatt v. 23.12.1920. 58 Ebd., Kt. 1569, Sa 132, 33245/1920. 59 Ebd., Kt. 1569, Sa 132, 33869/1920. 60 Ebd., Kt. 1569, Sa 132, 34872/1920, PDion Wien v. 16.12.1920 ; 34321/1920, Vorstandssitzung der Gewa ; 34872/1920, IEK Wien an BMfsV v. 17.12.1920. 61 Z. B. ebd., Kt. 1569, Sa 132, 15582/1921 ; 16259/1921 ; „Das Fiasko der Reichsvereinigung“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. 15.3.1922, S.  3. 62 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1569, Sa 132, 5198/1921. Es wurde zumindest eine scharfe Beobach- tung des Vereins beschlossen ; ebd., Kt. 1569, Sa 132, 17661/1921. Das Sozialministerium überblickte schließlich Ende 1921 die Vorwürfe und involvierten Persönlichkeiten nicht mehr ; ebd., Kt. 1569, Sa 132, 84/1922. Es gab neuerlich Verfahren wegen Veruntreuung und Preistreiberei durch Kettenhandel im Jahr 1922, Freisprüche, Verwarnungen und die Drohung der behördlichen Auflösung ; ebd., Kt. 1569, Sa 132, 27230/1922 ; 38297/1923, PDion Wien an BMfsV v. 20.6.1923. 63 Im Februar 1921 trat beispielsweise die Ortsgruppe Wien IX der Reichsvereinigung geschlossen in die entsprechende Ortsgruppe des Zentralverbandes ein ; „Der Einigungsgedanke marschiert“, in : Der Inva- lide, Nr. 6 v. 15.3.1921, S.  3. Andere Ortsgruppen zogen nach ; ebd., Nr. 13/14 v. 25.7.1921, S.  5. 64 Ebd., Nr. 7 v. 1.4.1921, S.  3. 65 Ebd., Nr. 9 v. 1.5.1921, S.  3. 66 „Umgruppierung“, in : Der österreichische Kriegsinvalide, Nr. 1 v. 1.1.1921, S.  1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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