Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 280 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 280 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 280 -

Bild der Seite - 280 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 280 -

280 Die Invalidenbewegung dem christlichsozialen Reichsbund anschloss.120 1935 zählte dieser Verein 50 Mitglie- der.121 Die Kritik der abtrünnigen Gruppe richtete sich zuerst gegen den Obmann Hans Hirsch, dem sein hohes Gehalt, „verschwenderischer Kanzleiaufwand“122 und angesichts der niedrigen Mitgliederzahl unverhältnismäßig hohe Verwaltungsausga- ben vorgehalten wurden, was übrigens auch die Vereinspolizei beanstandete.123 Später kam noch ein weiterer Vorwurf hinzu, der ein interessantes Licht auf ein möglicher- weise zentrales Element der Gruppenbildung von Kriegsblinden wirft. Die abgespal- tene Fraktion kreidete dem Verband der Kriegsblinden nämlich an, dass er als Mitglieder auch Personen aufnehmen würde, die keinen Blindenzuschuss bekamen, Personen also, die zwar als „kriegsbeschädigt“, aber  – weil ihre Erblindung nicht in ursächlichem Zu- sammenhang mit dem Krieg stand  – nicht als „kriegsblind“ begutachtet worden waren. Diese feine Unterscheidung erzeugte eine Gruppe von wahren Kriegsblinden und eine Gruppe von (nur „zufällig“) blinden Kriegsbeschädigten. Letzteren sollten aber nach Ansicht des neuen Bundes die Begünstigungen für Kriegsblinde nicht zukommen.124 Der Bund der österreichischen Kriegsblinden akzeptierte nur wirkliche Kriegsblinde als Mitglieder und warb damit, dass er die „einzige reine Kriegsblindenorganisation“125 sei. Wenngleich solche Abgrenzungen einem gewissen Gruppenegoismus zuzuschrei- ben sein mögen  – also der Angst, Privilegien zu verlieren, und der Sorge, Zuwendun- gen teilen zu müssen  –, so lässt sich doch sagen, dass Kriegsblinde unter den Kriegsbe- schädigten die einzigen waren, die ihre Gruppenidentität so eindeutig aus der konkret erlittenen Beschädigung zogen und  – es ist nicht klar, was hier zuerst war  – angesichts der geschilderten Rahmenbedingungen auch ziehen konnten. 120 „Eine Kritik am Hirsch-Verband. Von einem Kriegsblinden“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1932, S.  2f ; „Gründung des Bundes der österreichischen Kriegsblinden“, in : ebd., Nr. 8/9 v. August/September 1932, S.  1f. Der Wiener Gründung vom August 1932 folgte in der Steiermark kurz darauf eine ähnliche Abspaltung ; „Bund der österreichischen Kriegsblinden“, in : ebd., Nr. 11 v. November 1932, S.  5f. 121 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Öster- reichs), BPDion Wien an BKA/Abt. 4 v. 27.1.1936. 122 „Bund der österreichischen Kriegsblinden. Kriegsblindengelder an Nichtkriegsblinde“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 3 v. März 1933, S.  5f, hier S.  6. 123 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2818 (Verband der Kriegsblinden Österreichs). Die Funktionäre des Bundes gelobten daher, ihre Arbeit ehrenamtlich zu tun. Obmann wurde der Kriegsblinde Fritz Stoßfellner, 1. Stellvertreter war Karl Drexel ; „Gründung des Bundes der österrei- chischen Kriegsblinden“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 8/9 v. August/September 1932, S.  1f. Zu Drexel vgl. Kapitel 13.1.3.1. 124 „Bund der österreichischen Kriegsblinden. Kriegsblindengelder an Nichtkriegsblinde“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 3 v. März 1933, S.  5f. Vgl. auch „Bund der österreichischen Kriegsblinden. Wer ist kriegsblind ?“, in : ebd., Nr. 9 v. September 1933, S.  5. 125 „Bund der österreichischen Kriegsblinden. Tatsachen sprechen“, in : ebd., Nr. 4 v. April 1933, S.  4.
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates