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282 Die Invalidenbewegung
bandes, Oberstleutnant a. D. Viktor Radda, der zunächst im Staatsamt für Heerwesen
für Kriegsbeschädigtenfragen zuständig war, dann vom Staatsamt für soziale Fürsorge
übernommen wurde und als Bindeglied zwischen Verband und Ministerialbürokratie
fungierte.135 Schon die Entstehungsgeschichte des Vereins spiegelt seine Nähe zum
Militärstand wider, war der Verband doch aus der Sektion der kriegsbeschädigten Gagis-
ten (der Kriegsbeschädigtenabteilung des Österreichischen Offiziersverbandes136) hervor-
gegangen.137 Als Zweigverein des Offiziersverbandes pflegte er auch in den Folgejahren
ein enges Verhältnis zu diesem138 und war ganz auf das Staatsamt für Heerwesen hin
orientiert, das seine Gründung tatkräftig unterstützt hatte.139 Auch dort, wo der Ver-
band konkrete Ansinnen formulierte und die Ausdehnung des IEG auf Berufsmilitär-
personen140 sowie die Übernahme von schwerkriegsbeschädigten Berufsoffizieren und
Militärbeamten in die neue Wehrmacht141 forderte – beides Bereiche, die schließlich
in seinem Sinn geregelt wurden –, betrieb er eindeutige Klientelpolitik.
Neben den Offizieren und Berufsmilitärpersonen gab es unter den Mitgliedern
auch viele höhere Angestellte und Beamte.142 Die Organisation war Sammelbecken
135 Z. B. „Die diesjährige Vollversammlung des Reichsverbandes“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge
1 v. 7.5.1926, S. 2f. Major Viktor Radda (*1880 Südmähren) geriet im Krieg in russische Kriegsgefan-
genschaft, kam 1917 als Austauschinvalider frei und arbeitete danach, bis August 1919, im Kriegsarchiv
und später als Demobilisierungsreferent. Er wurde mit einer MdE von 65–75 % kategorisiert ; AT-
OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1391, 28535/1921, Lebensskizze, Viktor Radda v. 22.1.1921 ; vgl. auch
AT-OeStA/KA Pers Quall, Viktor Radda.
136 „An unsere Mitglieder !“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge 27 v. 23.3.1934, S. 1f.
137 Das Hauptziel der Gruppe lag zunächst darin, unter den Kriegsbeschädigten (vor allem im Zentralver-
band) die Interessen der Gagisten und unter den Gagisten (vor allem in den drei Wirtschaftsverbänden
der Reservegagisten, der Berufsmilitärgagisten und der Berufsunteroffiziere) die Interessen der Kriegs-
beschädigten zu vertreten ; „Der Aufbau unseres Verbandes“, in : ebd., Nr. 1 v. 7.5.1926, S. 1f.
138 Ebd., Nr. 9 v. 20.5.1928, S. 2. Der Verein schloss sich 1921 als Zweigverband auch dem Wirtschafts-
verband der Berufsmilitärgagisten Österreichs an ; „Zur zehnten Jahreswende der Gründung unseres
Verbandes“, in : ebd., Nr. 14 v. 16.11.1929, S. 1f, hier S. 2 ; vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt.
1389, 25869/1921, RVerb/Int an BMfsV v. 16.10.1921.
139 „Zur zehnten Jahreswende der Gründung unseres Verbandes“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge
14 v. 16.11.1929, S.
1f. Auch die Gründung einer eigenen Fachgruppe für kriegsbeschädigte Bundesan-
gestellte im Bereich des Heeres, der Heeresverwaltung und der Militärliquidierung im November 1921
ging auf die Initiative des Verbandes zurück ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII
2910 (Reichsverband der kriegsbeschädigten Intellektuellen Österreichs).
140 Vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1382, 8745/1921, RVerb/Int an BMfsV v. 19.3.1921.
141 „Zur zehnten Jahreswende der Gründung unseres Verbandes“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge
14 v. 16.11.1929, S. 1f.
142 Das zeigte sich auch daran, dass der Verband kriegsbeschädigter Intellektueller 1927 gemeinsam mit
dem Verband invalider städtischer Angestellter (Vista) und der Kriegsbeschädigtengruppe des Reichs-
verbandes öffentlicher Angestellten einen losen Dachverband (die Arbeitsgemeinschaft österreichi-
scher Kriegsbeschädigtenverbände) gründete ; ebd., Nr. 7 v. 20.12.1927, S. 1.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918