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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 283 -
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283Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 für jene Kriegsbeschädigten, die weder im Zentralverband noch im Reichsbund eine Heimat fanden und die Mitgliedschaft in einer Standesvertretung der Mitgliedschaft in einem der beiden politisch klar positionierten Vereine vorzogen. Gerade mit dem Zentralverband dürften viele, die sich mit einer proletarischen Massenorganisation nicht identifizieren konnten, ihre Probleme gehabt haben. Umgekehrt wollte aber auch der Zentralverband mit Berufsmilitärs und insbesondere Offizieren nichts zu tun haben. Unter den Funktionären (und wohl auch den meisten Mitgliedern) des Zent- ralverbandes herrschte eine tiefe Abneigung gegen diese Gruppe. Obwohl die Statuten eine Mitgliedschaft der Militärs nicht ausschlossen, wurde die Aufnahme von Berufs- offizieren und Berufsunteroffizieren in den Zentralverband vehement abgelehnt. Ein Delegierter führt bei einer Versammlung aus : „Unsägliche Leiden mußten wir durch die Berufsoffiziere erdulden, stets haben sie von uns genommen, wo sie nur nehmen konnten, und jetzt zeigt es sich wieder. Sie haben ihre eigene Organisation, drängen sich aber in unserer Organisation ein, um das Wenige, das wir durch unsere Organisation erreichen, uns zu nehmen (Beifall.)“143 Auch der Reichsbund mokierte sich aber über den Verein mit dem „protzige[n] Titel“144 und empfahl den Kriegsbeschädigten eindringlich, sich einem der großen Verbände anzuschließen. So blieb der Intellektuellen-Verein als selbstständige Interessenvertre- tung bestehen, war jedoch aufgrund seines Zielpublikums nie in der Lage, mehr als 5.000145 Mitglieder in seinen Reihen zu vereinigen. Den Mitgliederstand, der not- wendig gewesen wäre, um einen Sitz in den staatlichen Gremien zu beanspruchen, verfehlte der Verein fast immer.146 Einzig zu den Ausschüssen der Invalidenentschä- digungskommissionen wurde, wenn eine Entscheidung über den Anspruch einer Be- rufsmilitärperson anstand, ein Vertrauensmann dieses Verbandes beigezogen.147 Der 143 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1369, 35244/1919. Die Ablehnung der Berufsmilitärs im Zentralver- band führte im Dezember 1919 etwa in der Steiermark zur Gründung einer Vereinigung kriegsbeschä- digter Berufsmilitärpersonen, die bis Anfang 1921 bestand, als die Gründung eines Landesverbandes christlicher Invalider, der sich der Aufnahme von Berufsmilitärs nicht verschloss, die kleine Berufsmi- litärvereinigung motivierte, sich wieder aufzulösen ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 1607/1920 und 12214/1920 und 1022/1921. 144 „Eine schlechter Rat“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 10 v. Oktober 1928, S.  5f, hier S.  5. 145 „XI. ordentliche Vollversammlung (Verbandstag) am 18. April 1929“, in : Nachrichten Reichsverband, Folge 13 v. 24.6.1929, S.  1–5, hier S.  2. 146 Z. B. um einen Platz in der ständigen Invalidenfürsorgekommission im Staatsamt für soziale Verwal- tung ; Amtliche Nachrichten, Wien 1920, S.  270 ; vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1380, 1314/1921 ; ebd., Kt. 1401, 17206/1922. 147 Laut BGBl 1921/263 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1395, 4925/1922.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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