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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 288 -
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288 Die Invalidenbewegung ihre ideologische Aufladung verloren und musste sich als wirkliche Berufsausbildung bewähren.160 Probleme mit der Aktion hatte es schon im letzten Kriegsjahr gegeben : Manche Kurse hatten wegen Kohlemangels während des Winters nicht mehr angeboten wer- den können.161 Andere waren von der Schließung bedroht gewesen, weil selbst die einfachsten Materialien und Rohstoffe oft kaum mehr aufzutreiben gewesen waren oder weil man die Verpflegung der Kriegsbeschädigten nicht mehr zu gewährleisten vermochte.162 In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte dann große Verwirrung über die Frage des Fortbestands der staatlichen Invalidenschulen.163 In den neuen Staatsämtern strebte man anfangs die Beibehaltung dieser Einrichtungen an.164 Auch der Zentral- verband setzte sich für die Aufrechterhaltung der Invalidenschulung ein, wenngleich er diese ausschließlich „auf zivilistischer Basis“165 akzeptieren wollte. Nach kurzer Zeit zeigte sich aber, dass hier die Rechnung ohne die Kriegsbeschädigten gemacht wurde : Die Zahl der Invalidenschüler ging nämlich so stark zurück, dass viele Kurse aufge- 160 Die 1916 im Garnisonsspital II von der Pflegeschwester Gusty Wundt angeregten Spitalswerkstätten, in denen während des Krieges gleichzeitig bis zu 140 Verwundete kleine Holzarbeiten, Korbwaren und ähnliche Produkte hergestellt hatten, zählten 1920 nur mehr zwölf Beschäftigte. Das österreichische Gewerbeamt sprach diesem Unterfangen zwar seine Anerkennung aus, zog jedoch über die Wirkung der Einrichtung eine ernüchternde Bilanz : „Irgendeine Bedeutung für das Gewerbe oder das Kunst- gewerbe kann der Werkstätte weder als Schule noch als kaufmännisch-gewerblicher Betrieb zugespro- chen werden“ ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1370, 3999/1920. 161 Etwa die Schulungen der Kriegsinvalidenschule Lemberg im Winter 1917/1918 ; ebd., Kt. 1358, 5751/1918. 162 Der Friseurwerkstätte der Kriegsinvalidenschule Klagenfurt mangelte es an Seife ; ebd., Kt. 1360, 10850/1918. Erst die Intervention der Kärntner Landeskommission führte zur Zuweisung von 100 Stück Rasierseife ; ebd., Kt. 1361, 13753/1918. Die Salzburger Landeskommission bat in diesem Zu- sammenhang um die Bestellung eines Inspektors für soziale Schulung, der kontrollieren sollte, ob bei den Invalidenkursen alle Materialien vorhanden waren ; ebd., Kt. 1361, 13336/1918. 163 Der Arbeitsausschuss für Soldatenunterricht des Patriotischen Hilfsvereins vom Roten Kreuz für Nie- derösterreich fragte beispielsweise schon am 14.11.1918 beim neuen Staatsamt für soziale Fürsorge an, ob es sich der vom Arbeitsausschuss vor allem im Bereich des Sprach- und Schreibunterrichts angebotenen Kurse (Kalligrafieunterricht von Rudolf und Josephine Pick) bedienen wolle oder ob die Einrichtung aufgelöst werden solle ; ebd., Kt. 1364, 1475/1918. 164 Das Staatsamt für öffentliche Arbeiten verkündete im Dezember 1918, dass die Invalidenschulen in Wien und Niederösterreich uneingeschränkt weiterarbeiten würden ; Staatsamt für soziale Verwaltung, Mitteilungen über Fürsorge für Kriegsbeschädigte, Wien 1918, S.  370 ; vgl. auch Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1919, S.  3f. Das Staatsamt für soziale Fürsorge wollte unter eigener Führung ein neues einheitli- ches Schulungsprogramm aufstellen und die bisher auf mehrere Ministerien aufgeteilten Kompetenzen im eigenen Haus bündeln ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1364, 4580/1918, Interministerielle Kom- mission für Invalidenfürsorge, Protokoll v. 27.12.1918. 165 Der Invalide, Nr. 2 v. 15.1.1919, S.  2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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