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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 289 -
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289Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele lassen werden mussten.166 Mit Kriegsende und Demobilisierung waren die Mittel zur Disziplinierung der Kriegsbeschädigten nicht mehr gegeben, und die von jeder militä- rischen Kontrolle befreiten ehemaligen Soldaten verließen die Ausbildungsstätten in großer Zahl. „Die durch den Umsturz erzeugte Abneigung gegen jede anstrengende Arbeit hat sich leider auch auf die Lerntätigkeit und den Lerneifer der Kriegsbeschä- digten ausgedehnt“,167 begründete die Grazer Staatsgewerbeschule in einem Bericht über das erste Halbjahr 1919 den Schülerschwund. Jene, die blieben, waren mehr an der weiteren Versorgung als an der Schulung interessiert. Als erstes wurden die landwirtschaftlichen Kurse eingestellt.168 Auch andere Schu- lungen liefen aus und wurden nicht wieder angeboten. Dass die Zahl der Invaliden- schüler dann 1919 noch einmal kurzfristig anstieg  – wenn sie auch nie mehr dieselbe Höhe wie im Krieg erreichte  –, lag im Wesentlichen an dem durch das Invalidenent- schädigungsgesetz vom April 1919 gesetzlich garantierten Recht auf unentgeltliche Ausbildung169 sowie den in der Folge gewährten Begünstigungen beim Arbeitsantritt. In den Budgets, die dem Bundesministerium für soziale Verwaltung in den Jahren 1920/1921 und 1922 für die Kriegsbeschädigtenfürsorge zur Verfügung standen, stieg der Posten für berufliche Ausbildung noch einmal (auf 3,1 und 3,7 %) an, um dann aber ab 1923 in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.170 Eine im Jahr 1920 durchgeführte Erhebung aller Schulungsmöglichkeiten für Kriegsbeschädigte in Österreich  – den Kriegsbeschädigten standen etwa 60 Berufe zur Verfügung  – ergab, dass an insgesamt 33 Schulen noch rund 1.800 Kriegsbeschädigte eine Berufsausbildung absolvierten. Den Löwenanteil bildeten dabei mit 44 % die in Wien-Favoriten geschulten Männer. Nicht zuletzt auch dadurch ist ein starkes Ost-West-Gefälle feststellbar. 166 Franz Fahringer/Karl Friedrich Büsch/Hans Liebl (Hg.), Kriegsbeschädigtenfürsorge in Wien, Nie- derösterreich und Burgenland von 1914 bis 1929, Wien 1929, S.  42. 167 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1367, 23387/1919. 168 Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  42. 169 StGBl 1919/245, § 8. 170 Im Budgetjahr 1919/1920 waren 1,7 % des Kriegsbeschädigtenbudgets für die berufliche Ausbildung aufgewandt worden. Die Prozentsätze für die Jahre 1923, 1924, 1925 lagen bei nur mehr 0,03 %, 0,02 % und 0,01 % ; siehe die entsprechenden (Bundes-)Finanzgesetze StGBl 1920/230, BGBl 1921/162, BGBl 1921/726, BGBl 1923/325, BGBl 1924/165, BGBl 1925/111.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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