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290 Die Invalidenbewegung
Tabelle 8 : Invalidenschulung : Zahl der in den einzelnen Bundesländern geschulten Kriegs-
beschädigten, 1920
Quelle : AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1397, 8659/1922, Vorakt 13168/1920 v. 1.7.1920, Zusammenstel-
lung der in Oesterreich derzeit gebotenen Schulungsmöglichkeiten für Kriegsbeschädigte
Zahl der Invalidenschüler, absolut Zahl der Invalidenschüler, in %
W/NÖ 1.291 71,6
OÖ 113 6,3
Stmk 128 7,1
Ktn 210 11,6
Sbg 26 1,4
T 12 0,7
V 23 1,3
gesamt 1.803 100,0
In der Invalidenstadt lebten Anfang 1920 noch 850 Personen. Monat für Monat nahm
diese Zahl nun ab. Im Oktober 1920 waren es noch 636, wobei nur drei Viertel dieser
Personen wirkliche Invalidenschüler waren, während die übrigen die Baracken als ob-
dachlose Kriegsbeschädigte bevölkerten.171
Spätestens im Jahre 1921 hatte sich die Einstellung der staatlichen Verwaltung zur
Invalidenschulung gewandelt. Es wurden zwar noch vereinzelte Kurse angeboten,172
doch grundsätzlich strebte das Bundesministerium für soziale Verwaltung nun den
sukzessiven Abbau der Invalidenschulungen an.173 Die Invalidenschule in der Michel-
beuerngasse in Wien wurde Mitte 1921 geschlossen.174 Die Handels-, Bürgerschul-,
Elementar-, Maschinschreib- und Stenografiekurse in der Schleiergasse wurden eben-
falls zu dieser Zeit eingestellt.175 Der letzte gewerbliche Kurs in den Schleierbara-
cken mit nur mehr fünf Teilnehmern lief Ende Februar 1923 aus.176 Zur gleichen Zeit
171 Diese Zahl setzte sich aus 492 Schülern und 144 „Nicht-Schülern“ zusammen ; AT-OeStA/AdR
BMfsV Kb, Kt. 1403, 19472/1922. Im Schuljahr 1918/1919 hatten noch 1.000 Kriegsbeschädigte die
Invalidenschule besucht ; ebd., Kt. 1372, 9657/1920. Anfang und Mitte des Jahres 1920 waren es 750
gewesen ; ebd., Kt. 1374, 17766/1920.
172 Das Gewerbeförderungsinstitut in Linz etwa veranstaltete – getrennt von den jüngeren Schülern –
1921 noch einen Schnittzeichenkurs für zehn Kriegsbeschädigte ; ebd., Kt. 1381, 6210/1921.
173 Ebd., Kt. 1382, 8162/1921.
174 Ebd., Kt. 1384, 13743/1921.
175 Ebd., Kt. 1386, 19345/1921 ; vgl. auch ebd., Kt. 1403, 19472/1922.
176 Ebd., Kt. 1411, 7455/1923.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918