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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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292 Die Invalidenbewegung Man bemühte sich darum, Kriegsbeschädigte im Staatsdienst anzustellen,181 wenn- gleich erst der Verwaltungsapparat, der zur Abwicklung der Ansprüche von Kriegs- beschädigten im Zuge des Invalidenentschädigungsgesetzes ab April 1919 geschaffen wurde,182 dann tatsächlich in der Lage war, neue Arbeitsplätze für Kriegsbeschädigte im öffentlichen Dienst bereitzustellen. Was die Privatwirtschaft betraf, so wäre in der katastrophalen Wirtschaftslage nach dem Krieg der Appell an Arbeitgeber, Kriegs- beschädigte zu beschäftigen, vollkommen ungehört verhallt. In dieser Situation war es nur verständlich, dass eine Idee, die schon vor 1918 verschiedentlich geäußert,183 ja in den zuständigen Ministerien bereits diskutiert und konkret behandelt worden war,184 wieder aufgegriffen wurde, nämlich die Idee, Arbeitgeber zur Anstellung von Kriegsbeschädigten gesetzlich zu verpflichten. Das Invalidenbeschäftigungsgesetz185 vom Oktober 1920, das Arbeitgeber zwang, einen Teil der verfügbaren Arbeitsplätze für Kriegsbeschädigte bereitzuhalten, setzte diese Idee schließlich um. Damit wurde ein Weg bestritten, wie ihn auch das Deutsche Reich und  – wenngleich mit Ein- schränkungen  – Großbritannien einschlugen.186 Es kehrte sich auf diese Weise auch ein Prinzip, das die Invalidenschulung in so besonderem Ausmaß geprägt hatte, in sein Gegenteil. War Ziel der Invalidenschulung noch gewesen, Kriegsbeschädigte so „herzurichten“, dass sie für den Arbeitsmarkt taugten, so versuchte das neue Gesetz nun, diesen so zu gestalten, dass er Kriegsbeschädigte aufnahm. 9.2.1.2 Genossenschaftsgründung Die ersten Nachkriegstage und -wochen waren in der Invalidenstadt in Wien-Favori- ten eine Zeit des Aufruhrs. Damals dürfte sich für den Komplex auch die Bezeichnung „Schleierbaracken“ herausgebildet haben. Zunächst schien es so, als ob die Werkstät- ten auch hier geschlossen werden müssten.187 Viele Kriegsbeschädigte verließen die Anstalt, es kam zu Plünderungen.188 Am 16. Dezember 1918, als nur mehr knapp 181 Z. B. AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1364, 1910/1918, Gasteiger v. 28.11.1918. 182 Also die Invalidenämter und Invalidenentschädigungskommissionen ; vgl. Kapitel 10.2 und 12.1. 183 Zum Beispiel in der Resolution des Wiener Gemeinderates v. 6.2.1918 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1359, 9055/1918, Amtsblatt der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien v. 12.2.1918. Ein noch früheres Beispiel ist Karl Egers Aussage ; ebd., Kt. 1358, 3848/1918, S.  28. 184 Ebd., Kt. 1359, 9055/1918, Bericht. 185 StGBl 1920/459 ; vgl. Kapitel 12.3. 186 Siehe Deborah Cohen, Will to Work. Disabled Veterans in Britain and Germany after the First World War, in : David A. Gerber (Hg.), Disabled Veterans in History, Ann Arbor, Mich. 2000, S.  295–321. 187 Der Invalide, Nr. 5 v. 1.3.1919, S.  1. 188 Dr. Erwin Suchanek erhielt auf Antrag der Invalidenentschädigungskommission Ende 1920 den Titel Medizinalrat verliehen, weil es ihm gelungen war, die Invalidenschulen „in den Tagen des Umsturzes“
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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