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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 304 -
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304 Die Invalidenbewegung kalkulierbarere Zentralverband war, unterstützte die Aktion und so kam es, dass eine überhastete legale „Besetzung“ die illegale abwehrte.239 Der Druck der Ereignisse führte zu erstaunlich raschen Handlungen : Die Schloss- hauptmannschaft teilte mit, dass die sofortige Belegung möglich sei, 160 Betten waren vorhanden ; Bettwäsche wurde per Automobil aus dem Kriegsspital Baumgarten gelie- fert ; das Staatsamt für Volksernährung übernahm die Bereitstellung der Lebensmittel ; der Arbeiterrat des Infanterieregimentes 84 steuerte Geschirr aus einer Offiziersmesse bei ;240 beim Staatskommissariat für Sachdemobilisierung wurden Baumaterialien und Werkzeuge angefordert,241 und das Staatsamt für soziale Verwaltung stellte Kr 300.000 für die vorläufig auf drei Monate angelegte Aktion zur Verfügung.242 Die ersten 25 Kriegsbeschädigten wurden  – vermutlich am 4. August 1919  – nach Laxenburg ge- bracht.243 Angesichts des provisorischen Charakters der Aktion sah man zunächst von der Ansiedlung verheirateter Kriegsbeschädigter ab.244 Diese letzte Regel wurde aber nicht streng befolgt. Als einer der ersten Kriegsbe- schädigten ging etwa der verheiratete Rudolf Bannert nach Laxenburg.245 Der gelernte Buchdrucker kannte sich vor Ort aus und war Ferdinand Hanusch, dem Staatssekretär für soziale Verwaltung, vom Staatsamt für Inneres und Unterricht schon ein Monat zuvor als „grundehrlicher Mann, Schriftsetzer von Beruf, alter Parteigenosse, versteht es aber leider nicht, sich vorzudrängen“,246 empfohlen worden. Von Bannert stammt einer der frühesten Entwürfe für Laxenburg, und tatsächlich wurde er schon am 4. August 1919 als „Invalidenrat“ auf der Gehaltsliste der Laxenburger Kriegsinvaliden 239 Ebd., 21918/1919. Die Maßnahme schuf Fakten und schob auch anderen Begehrlichkeiten einen Rie- gel vor. Interesse an Laxenburg bestand etwa auch vonseiten des Wiener Magistrats, der im Mai 1919 den Antrag stellte, die Laxenburger Teiche zur Versorgung Wiens mit Fischen nutzen zu dürfen ; ebd., 13754/1919 ; 17448/1919 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1372, 10511/1920, StAfLuF an StAfsV v. 1.4.1920. Im Juli desselben Jahres ersuchte die Sascha Filmindustrie AG, Kinovorführungen im Park von Laxenburg abhalten zu dürfen ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, I. Teil, 19442/1919, Sascha an Pernitza v. 7.7.1919. Zwei in Oberösterreich stationierte südböhmische Flüchtlingskompa- nien, die ihre Auflösung befürchteten, boten an, in Laxenburg Meliorationsarbeiten durchzuführen und dort eine „Böhmerwald-Bauernhochschule“ zu errichten ; ebd., 21115/1919. 240 Ebd., 22302/1919. 241 Ebd., 22994/1919. 242 Ebd., 21918/1919. 243 Ebd., 23147/1919. Das Datum ergibt sich aus verschiedenen Hinweisen, wie etwa jenem, dass die Schlosshauptmannschaft von diesem Tag an die Verrechnung einer „Invalidenküche“ innehatte ; AT- OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 8542/1920. 244 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, I. Teil, 23606/1919, Protokoll einer Sitzung v. 18.8.1919. 245 Bannert hatte auch eine Wohnung in Wien II, Pazmanitengasse ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1555, Sa 29, III. Teil, 1139/1920. 246 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, I. Teil, 19442/1919, StAfIuU an Hanusch v. 5.7.1919.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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