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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 308 -
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308 Die Invalidenbewegung Kr 2,150.000 Kronen dazu kommen.272 Im April 1920 tauchte erstmals die Idee einer Abfertigung auf, die die Kriegsbeschädigten zu einer Räumung Laxenburgs bewe- gen sollte.273 Man wollte jedenfalls vorerst auf alle präjudizierenden Veränderungen vor Ort verzichten und vor allem Vorkehrungen treffen, um die Ansiedlung weiterer Kriegsbeschädigter im Schloss zu verhindern. Der Sommer war schnell verstrichen und der bevorstehende Winter 1920/1921 verlangte dringend die Durchführung eini- ger Arbeiten im Schloss, deren Bezahlung vorerst weder der Kriegsgeschädigtenfonds noch das Staatsamt für soziale Verwaltung übernehmen wollte.274 Im Oktober wurde beschlossen, dass das Staatsamt die Kosten für Laxenburg noch bis zum Ende des Jahres 1920 tragen und danach der Kriegsgeschädigtenfonds zuständig sein sollte.275 Dieser unterband den ohnehin nur zaghaften Versuch, Laxenburg zu dem ursprüng- lich geplanten Unternehmen zu machen, rigide und untersagte den Kriegsbeschädig- ten Ende 1920 sowohl die Verabreichung von Getränken am Eislaufplatz als auch die Inbetriebnahme eines Kinos.276 Es dauert lange, bis schließlich ein freiwilliger Abgang der Kriegsbeschädigten aus Laxenburg erreicht werden konnte. Dass er möglich wurde, lag daran, dass der Zen- tralverband in die Verhandlungen über die Abbauaktion eingebunden war277 und die Staatsstellen neben Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung tatsächlich eine Abfer- tigung in Aussicht stellten. Noch im Jänner 1921 hieß es, dass die Abbaumaßnahmen „auf den zähesten Widerstand der Laxenburger Kriegsbeschädigten stiessen“.278 Der Zentralverband aber hatte mittlerweile akzeptiert, dass das Projekt Laxenburg geschei- tert war, und versuchte nur noch, möglichst optimale Bedingungen für die betroffe- nen Männer auszuverhandeln. Anfang Februar 1921 verließen schließlich die meisten 272 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 35782/1920. 273 In einer Verhandlung am 17.4.1920 ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, III. Teil, 10942/1920. 274 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, III. Teil, 24463/1920. 275 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 31346/1920. 276 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 31471/1920 v. 18.11.1920. 277 Der Zentralverband führte Verhandlungen über die Höhe der Abfertigungen ; ebd., Kt. 1381, 3608/1921 ; 2444/1921. Mit dem niederösterreichischen Landesverband des Zentralverbandes wurde Ende 1920 die Vereinbarung getroffen, die Laxenburger Kriegsbeschädigten zu kategorisieren und fest- zustellen, wer weiter für den Kriegsgeschädigtenfonds (aber nicht notwendigerweise in Laxenburg ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 32142/1920) arbeiten solle, wer in eine Heilanstalt transferiert werden müsse und wer  – das war die größte Gruppe  – mithilfe des IEG auf dem Arbeitsmarkt untergebracht werden könne (oder anderenfalls dem Invalidenheim Meidling zugewiesen werden müsse ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 35782/1920, KGF an BMfsV v. 28.12.1920) ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 33886/1920. Die k. k. Arbeitsvermittlung für Kriegsbeschädigte war völlig überfordert ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 404/1921, AV an BMfsV v. 27.12.1920. 278 Ebd., Kt. 1381, 3608/1921, KGF an BMfsV v. 24.1.1921.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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