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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 311 -
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311Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele verzweifelten, hilfesuchenden Masse von Kriegsbeschädigten belagert […], die die verschiedensten Wünsche hatten, deren Erfüllung keinen Aufschub duldeten. Viele kamen nach vierjähriger Kriegsdienstleistung nach Hause, hatten weder Wohnung noch Arbeit oder Kleider, nur die bloße Uniform, die ihnen buchstäblich vom Leibe fiel.“290 Erst im Mai 1919 konnte der Zentralverband schließlich übersiedeln,291 doch nicht an die eigentlich erhoffte repräsentative Adresse. Über Vermittlung des Staatsamtes für soziale Verwaltung hatte er nämlich zunächst unter vier Wiener Palais ein neues Domizil wählen dürfen und sich für das beste  – das zentral, gleich hinter der Wiener Oper gelegene Palais des ehemaligen Erzherzogs Friedrich292  – entschieden. Im letz- ten Augenblick hatte sich diese Variante jedoch zerschlagen, sodass ein Provisorium gefunden werden musste. Dem Zentralverband wurden daraufhin Räume im Haus Wien I, Landskrongasse 1, zugewiesen. Der Großindustrielle Schoeller, dem diese Liegenschaft gehörte, verzichtete auf die Miete, und stellte dem Verband  – ebenfalls unentgeltlich  – Mobiliar, Zentralheizung, Beleuchtung und Aufzug zur Verfügung.293 Nach einem Jahr musste der Zentralverband dieses Quartier wieder räumen. Diesmal forderte er eine Unterbringung in der Hofburg, „von wo das Verderben seinen Ausgang genommen hat“, und drohte „im Wege einer entsprechenden Demonstration sich die gewünschte Unterbringung zu erzwingen“.294 Da aber zu diesem Zeitpunkt über die genaue Verwendung der ehemals kaiserlichen Güter immer noch Verwirrung herrschte, akzeptierte der Zentralverband schließlich die ehemalige Leibgarde-Eskadron- oder Lerchenfelder Kaserne hinter dem Justizpalast als neues Quartier.295 Sie war schon im Herbst 1919 zwecks Weiterverwendung kommissionell besichtigt worden296 und 290 Johann Schnürmacher, Einiges aus den Gründungstagen des Zentralverbandes, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928, S.  20f, hier S.  20. 291 Das Divisionsgerichtsgebäude war bis zum 6.5.1919 Adresse des Zentralverbandes ; Der Invalide, Nr. 10 v. 15.5.1919, S.  1. 292 Das „Palais Erzherzog Albrecht“, ab 1921 „Albertina“. 293 „Im neuen Heim“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 1.12.1920, S.  1–3, hier S.  2. Eigentüme- rin im Jahr 1927 war die Firma Schoeller & Co, ein Großhandelshaus, aus dem später die Schoeller- bank hervorging ; BezG Innere Stadt Wien, Grundbuch, KG Innere Stadt, EZ 1707. 294 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1374, 16349/1920, Oberster Verwalter des Hofärars v. 6.5.1920 ; „Drohung mit der Besetzung der Hofburg, um sich Büroräume zu verschaffen“ ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), Aktenübersicht. 295 Wien VII, Lerchenfelderstraße 1. Die Übersiedlung erfolgte am 15.7.1920 ; „Zur Beachtung !“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 5/6 v. 15.7.1920, S.  1. 296 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1556, Sa 35. Damals hatte auch die Frauenrechtlerin Eugenie Schwarzwald (für den Verein zur Errichtung und Erhaltung von Gemeinschaftsküchen in Wien) Inte- resse an Räumen in der Kaserne angemeldet, weil diese über eine gut ausgestattete Großküche verfügte ; ebd.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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