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317Konsolidierung
des Zentralverbandes : 1920
Invalide als Organ der mitgliederstärksten Landesgruppe das Sprachrohr des Zentral-
verbandes. Das Blatt war praktisch auch das einzige unter den Landesverbandsblät-
tern, das die wirtschaftlich schwierige Zeit der frühen 1920er-Jahre – wenngleich mit
Erscheinungsproblemen – überlebte. Mehrere andere Landesorganisationen übernah-
men hingegen die Nachrichten als ihr Zentralorgan und verzichteten auf die eigene
Zeitung, die sie nicht länger finanzieren konnten.324
Zu einer entscheidenden Reorganisation kam es erst bei einem außerordentlichen
Delegiertentag Mitte Mai 1920 : Nun gestanden die Funktionäre des Zentralverbandes
erstmals offen ein, dass im Verband ein großer Gegensatz zwischen Stadt und Land
herrschte und daher ein grundsätzlicher „Neuaufbau der Organisation“325 notwendig
sei. Zwar drohte zunächst auch diese Konferenz zu scheitern, doch nach tumultartigen
Szenen brachte die Übernahme des Vorsitzes durch Niederösterreichs sozialdemokra-
tischen Landeshauptmannstellvertreter Laurenz Widholz die Versammlung wieder in
ein ruhigeres Fahrwasser, und schließlich gelang es, „ein System in dieses wirbelnde
Chaos hineinzubringen“.326 Der Zentralverband327 wurde in einen Zentralverband der
Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs um-
gewandelt und gab sich ein neues Statut, das einen Mittelweg zwischen den beiden
diskutierten Organisationsprinzipien einschlug und so den Zusammenhalt ermög-
lichte.328 Die Landesverbände waren weiterhin an den Zentralverband angeschlossen,
lieferten einen bestimmten Teil der eingehobenen Mitgliedsbeiträge an diesen ab, blie-
324 Die Zeitungen waren Der niederösterreichische Kriegsinvalide (1920–1922), Der steirische Kriegs-
beschädigte (1922), Kärntner Kriegsopfer (1920), Der Kriegsbeschädigte. Offizielles Organ des
Landesverbandes der Kriegsbeschädigten, Kriegerswitwen und Kriegswaisen des Landes Salzburg
(1919–1921). Die Nachrichten des Zentralverbandes, die anfangs ohne Umweg über die Landesorga-
nisationen, kostenfrei direkt an die Ortsgruppen geschickt wurden, sollten den unmittelbaren Kontakt
zu den Mitgliedern herstellen. Das gelang nur mangelhaft, denn die Belieferung aller Ortsgruppen mit
Freiexemplaren konnte aus Kostengründen nicht lange aufrechterhalten werden und die Abonnenten-
zahlen stagnierten ; „Unser Blatt“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 11/12 v. 15.12.1921, S.
1–3. Zu
den Finanzierungsproblemen der Zeitschriften vgl. auch „An die Kriegsinvaliden und Kriegerhinter-
bliebenen von Salzburg und Kärnten“, in : ebd., Nr. 1 v. 15.1.1922, S. 2f ; „Zur Einführung !“, in : ebd.,
Nr. 5 v. 20.7.1922, S. 8.
325 Rupert Kainradl, „Der Reichsdelegiertentag“, in : ebd., Nr. 5/6 v. 15.7.1920, S. 1–16, hier S. 1.
326 Kainradl, Reichsdelegiertentag, S. 6.
327 Seine genaue Bezeichnung zu diesem Zeitpunkt war Zentralverband der deutschösterreichischen
Kriegsbeschädigten (Kriegsbeschädigten-Vereinigung der Invaliden, Witwen und Waisen) in Wien ;
AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, 34497/1920, Statuten.
328 Das Statut hatten Rupert Kainradl und Karl Grundei ausgearbeitet ; Kainradl, Reichsdelegiertentag ;
vgl. auch AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesor-
ganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), ZV an PDion/VB, einge-
langt am 2.9.1920 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, 34497/1920, Statuten ; [Statutenent-
wurf], in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 3 v. Mai 1920, S. 1–4.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918