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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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322 Die Invalidenbewegung Das sei eine schlechte Taktik ; damit schlage man sich die Waffe selbst aus der Hand : „Die Waffe, die den Namen hat : Organisation.“350 Zwar machte gerade die Masse der unzufriedenen  – und gewissermaßen auch unkontrollierbaren  – Kriegsbeschädigten die Schlagkraft der jungen Bewegung aus, doch die Funktionäre hatten andere Vor- stellungen vom Charakter einer mächtigen Organisation. „Die Invalidenorganisation, unter einem unglücklichen Stern und in einer noch unglückli- cheren Zeit geboren, war von dem Ruf nach Brot beherrscht ; der Großteil der Mitgliedschaft sah den Zweck der Organisation nicht darin, bleibende Werte zu schaffen, soziale Gesetze durchzubringen, Existenzen zu gründen, sondern war von der Magenfrage beherrscht. Der Ruf nach dem Heringe, den Kartoffeln und Bohnen übertönte den Schrei nach der Rente. […] irregeleitet, sahen die Mitglieder die ‚Aktion‘ als Gradmesser der Notwendigkeit der Organisation […] an. Mit aller Macht muß den Kriegsopfern begreiflich gemacht, in ihr Hirn eingehämmert werden, daß die Organisation zu anderen höheren Dingen berufen ist, als Zwiebel einzulagern, Zigarettenhülsen zu beschaffen und Schuhriemen zu verausgaben. Ihre Aufgabe besteht darin, dauernde Gesetze zu schaffen, die das kulturelle, wirtschaftliche und ideelle Niveau der Kriegsbeschädigten fördern“.351 Wie weit den Kriegsbeschädigtenorganisationen genau das gelang  – nämlich „dau- ernde Gesetze zu schaffen“  – war bislang noch nicht Thema gewesen und soll im nächsten Kapitel behandelt werden. Dabei steht noch einmal das große Gesetzeswerk zugunsten der Kriegsbeschädigten, das Invalidenentschädigungsgesetz vom April 1919, im Zentrum. 350 Ebd. 351 Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1921, S.  1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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