Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 324 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 324 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Bild der Seite - 324 -

Bild der Seite - 324 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text der Seite - 324 -

324 Die Praxis des Invalidenentschädigungsgesetzes ation des jungen Staates begründet und mussten daher  – so die Argumentation des Zentralverbandes  – zumindest vorläufig akzeptiert werden. Der Hinweis darauf, dass erreicht wurde, was unter den herrschenden Bedingungen zu erreichen war, enthält zweierlei : Lob für jene, die am „großen Stück Arbeit“ mitbeteiligt waren (die Funk- tionäre des Zentralverbandes), und Entschuldigung bei jenen, die mehr erhofft hatten (viele Mitglieder des Zentralverbandes). Darüber, warum die Zeitung bei der Darstellung des Beitrags der eigenen Funkti- onäre am Zustandekommen des Gesetzes so wenig konkrete Worte verliert, kann nur gemutmaßt werden. Zum einen dürfte diese Zurückhaltung daraus resultieren, dass der Zentralverband just zu der Zeit, als das Gesetz von der Regierung im Parlament eingebracht und dann im Sozialausschuss der konstituierenden Nationalversammlung verhandelt wurde, im Laufe des April 1919 also, mitten in einer internen Auseinan- dersetzung steckte, die ihn tatsächlich in seiner Existenz bedrohte,3 zum anderen kann man sich aber auch des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verbandsfunktionäre selbst kein allzu großes Interesse daran hatten, ihre Mitwirkung an der endgültigen Formulierung des IEG hervorzustreichen. Sie immunisierten sich auf diese Weise von vornherein gegen allfällige Kritik an dem Gesetz. Und dass es aus den Reihen der Kriegsbeschädigten Kritik am IEG gegeben haben muss und dies einen gewissen Rechtfertigungsdruck bei den Funktionären erzeugte, beweist ein anderer Artikel im Invaliden vom August 1919. „Vielfach müssen wir bemerken, daß das Gesetz, das natürlich bei weitem nicht unseren Wün- schen entspricht, zu Agitationszwecken gegen den Zentralverband benützt wird, als dürfte der Zentralverband die Ursache der finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Staates sein, welche doch ausschlaggebend beim Werden des Gesetzes zur Geltung kamen. Es wird nun von einer bestimmten Seite eine Propaganda betrieben, um die Durchfüh- rung des Gesetzes zu verhindern. Wenn dies nicht gelingt, dann versucht man mit den ver- schiedensten Mitteln, die Durchführungsarbeiten zu stören, ohne daß sie dabei bedenken, daß sie den Invaliden schweren Schaden zufügen.“4 Dass die „bestimmte Seite“, die gegen das Gesetz Propaganda betrieb, die kommunis- tische war, ist dem Artikel selbst nicht zu entnehmen, doch man kann es aus anderen Zusammenhängen schließen.5 Der Zentralverband kam  – wollte er seinen Widersa- 3 Vgl. dazu Kapitel 9.1. 4 „Unser neues Gesetz“, in : Der Invalide, Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  2. 5 Z. B. Karl Grundei, Meine Urlaubsreise, in : Der Invalide, Nr. 16 v. 15.8.1919, S.  5–7, hier S.  7. Zu den gerade im April 1919 akuten kommunistischen Umsturzversuchen siehe Hans Hautmann, Die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916–1919 (= Ver-
zurück zum  Buch Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates