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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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341Das Verfahren bandes genötigt, die Beschäftigten der Invalidenentschädigungskommission in Wien aufzurufen, Dankbarkeit für dieses Privileg zu zeigen und endlich den Rückstau bei der Rentenbemessung zu erledigen : „Kameradinnen und Kameraden ! Denkt jetzt, wo die Mittel eurer Lebenshaltung zum Teil gesichert sind, daran, daß zehntausende Augen auf euch gerichtet sind. Frauen, Mütter und Kinder, die wie ihr gelitten, Männer, die mit euch geblutet haben und mit euch unsagbare Strapazen erdulden mußten, erwarten ihr Heil von eurer Tätigkeit ! […] Beweiset euren Wi- dersachern, daß ihr nicht aus egoistischen Motiven den Kampf geführt habt, beweiset ihnen, daß ihr nicht die Aristokratie der Kriegsopfer werden wollt !“54 Insgesamt kann man festhalten, dass die Funktionäre des Zentralverbandes zu dieser Zeit derart eng in die Gestaltung der gesamten Kriegsbeschädigtenversorgung einge- bunden waren, dass sie wohl nicht umhin konnten, das System im Großen und Gan- zen zu verteidigen, auch wenn die Kritik an einzelnen Teilen des IEG  – insbesondere was die Auswirkungen der Inflation betraf  – ab Anfang 1920 unüberhörbar wurde. Ihre Nähe zur Regierung bzw. zum Staatsamt für soziale Verwaltung machte sie zwei- fellos zu intimen Kennern des Versorgungssystems, was aber wiederum dazu führte, dass sie auch die Sachzwänge, unter denen das System litt, kennen und gewissermaßen auch anerkennen mussten. Der eklatante Rückstau bei der Bearbeitung der Anträge begründete sich nicht allein aus dem Mangel ausreichend geschulter Beamter oder der oben beschriebe- nen Notwendigkeit, Renten mit anderen Versorgungsgebühren gegenzurechnen bzw. sie infolge wiederholter Gesetzesnovellierungen mehrmals zu berechnen, sondern zu einem erheblichen Teil auch daraus, dass die Behörden mit der Bewältigung eines derartigen Ansturms von Antragstellern und -stellerinnen  – ganz unabhängig vom eingesetzten Personal  – schlicht überfordert waren, da sie über keinerlei Erfahrung verfügten, wie eine so große Zahl praktisch auf einmal anfallender Geschäftsstücke in vertretbarer Zeit zu erledigen sei. Der bereits erwähnte Leiter der Invalidenentschä- digungskommission Wien, Franz Fahringer, spricht in seiner Rückschau 1929 daher auch ganz klar von einem Versagen : „Die Invalidenentschädigungskommission war zu Beginn ihrer Wirksamkeit und in der Folge lange Zeit vielfach nicht in der Lage, die bezüglichen Ansprüche der Kriegsbeschädigten unter restloser Anwendung der einschlägigen Bestimmungen des IEG zu erledigen.“55 54 „An die Beamten der Invalidenentschädigungskommission und der Invalidenämter !“, in : Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1921, S.  2. 55 Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  82f. Auch im Deutschen Reich war die Bürokra-
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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