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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 354 -
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354 Die Praxis des Invalidenentschädigungsgesetzes 10.3.3 Die Vollendung eines Weges  – weitere Änderungen durch die 7. Novelle Das Organ des Zentralverbandes informierte seine Leser nach der Verabschiedung der 7.  Novelle unter der Überschrift „Erfolge und Niederlagen“ darüber, dass nun „die große Schlacht“ geschlagen sei.107 Der Autor des Artikels, es ist neuerlich Rupert Kain- radl, ließ das Dilemma erkennen, in welchem sich der Zentralverband befand : Wollte er den Schwerinvaliden eine einigermaßen angemessene Rente sichern, so musste er zulassen, dass am anderen Ende der Skala Abstriche gemacht wurden. Trotz aller Ap- pelle an solidarisches Denken, wuchsen auch innerhalb des Verbandes die Spannungen zwischen diesen Gruppen. Der Versuch, den Konflikt zu entschärfen, scheiterte108 und konnte nicht verhindern, dass es ein Jahr später zur Eskalation kam.109 Die Entscheidung der Funktionäre, in den Verhandlungen die Schwerbeschädigten zulasten der Leichtbeschädigten zu begünstigen, muss als durchaus mutig bezeichnet werden, denn die Invalidenvertreter nahmen damit immerhin in Kauf, etwa 40 % der Kriegsbeschädigten zugunsten von nur 5 %  – so stellte sich das Verhältnis zwischen den unter 35 % und den über 65 % erwerbsgeminderten Kriegsbeschädigten 1922 dar  – gegen sich aufzubringen.110 Diese Entscheidung fügt sich aber in das Bild, das der Zentralverband von sich selbst entwarf und welchem er über weite Strecken tat- sächlich treu blieb : Er wollte ein Verband sein, der Solidarität innerhalb der Gruppe der Kriegsopfer forderte und auch förderte. Bei der Darstellung der Verhandlungser- 107 Alle in diesem Kapitel nicht ausgewiesenen Zitate stammen aus dieser Quelle : R.K. [Rupert Kainradl], Erfolge und Niederlagen. Die VII. Novelle des Invalidenentschädigungsgesetzes, in : Nachrichten Zen- tralverband, Nr. 5 v. 20.7.1922, S.  1–5. 108 Unter anderem wurde in jener Zeit im Zentralverband der sogenannte Schwerbeschädigten-Ausschuss gegründet ; vgl. Kapitel 7.2.2. 109 1923 entstand aus einer Abspaltung vom Wiener Landesverband des Zentralverbandes der Verband der Schwerinvaliden und Hilflosen Österreichs unter Heinrich Gallos, einem Gründungsmitglied des Zentralverbandes ; vgl. Kapitel 7.2.2. 110 Sozialminister Richard Schmitz rechnete  – wie er im Ministerratsvortrag zur 7. Novelle des IEG er- läuterte  – damit, dass durch die Abfertigung jener Kriegsbeschädigten, die eine MdE von weniger als 35 % aufwiesen, die Hälfte der Rentenbezieher aus dem System fallen würde, was auch erhebliche Ein- sparungen im Personalstand der Invalidenentschädigungskommissionen erlauben würde ; AT-OeStA/ AdR MRang MR 1. Rep MRP, 206/10 v. 27.6.1922. Wie eine Statistik vom April 1922 zeigt, dürfte Schmitz hier gegenüber seinen Ministerkollegen etwas übertrieben haben, aber es waren doch immer- hin rund 40 % der bis dahin bewilligten Renten, die durch die Novelle abgefertigt wurden ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1399, 13362/1922, Stand der Rentenbemessung am 20.4.1922. Zu detaillierte- ren statistischen Angaben vgl. Kapitel 14. Im Hinblick auf den Personalstand der Invalidenentschä- digungskommissionen erfüllten sich die Hoffnungen des Ministers  – wenn auch etwas zeitverzögert  – wenigstens bei der größten Kommission, nämlich jener in Wien. Dort sollte der Personalstand 1924 erstmals etwas sinken ; Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  62.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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