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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 368 -
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11 Staatliche Fürsorge jenseits des Invalidenentschädigungsgesetzes 11.1 Die Fonds der karitativen Kriegsbeschädigtenfürsorge Die Kriegsopferversorgung erschöpfte sich nicht in den durch das Invalidenentschädi- gungsgesetz zur Verfügung gestellten Renten. Zahlreiche zusätzliche Unterstützungs- formen rundeten die Grundabsicherung durch das IEG ab. Ohne dass auf sie ein An- spruch bestanden hätte, bürgerten sich Maßnahmen wie Nahrungsmittelverteilungen, Ausspeisungen, Weihnachts- und Feriensubventionen, Kinderaktionen oder Anschub- hilfen für die Erlangung beruflicher Selbstständigkeit als nicht mehr wegzudenkende Ergänzungen zu den ihren Wert ohnehin immer stärker einbüßenden Renten ein. Alle diese Maßnahmen erforderten freilich finanzielle Mittel. Sowohl die Kriegsbeschädigtenvereine als auch die staatlichen Organe hatten größ- tes Interesse, die für die Finanzierung dieser Teilbereiche der Kriegsopferversorgung nötigen, aus dem laufenden Budget aber nicht zu lukrierenden Geldmittel aufzutrei- ben. Beide Akteure entwickelten bei diesen Versuchen ein erhebliches Maß an Kreati- vität und fanden immer neue Quellen, die zur Aufbesserung des Budgets der Kriegs- opferversorgung angezapft oder auf andere Weise für die Verbesserung der Lage der Kriegsbeschädigten herangezogen werden konnten. Naheliegenderweise waren es zunächst zwei Bereiche, deren Nutzbarmachung für Zwecke der Kriegsbeschädigtenversorgung ins Auge gefasst wurden : Einerseits schien insbesondere den Vertretern der Kriegsbeschädigten alles, was irgendwie mit dem ver- gangenen Krieg bzw. dem ehemaligen Herrscherhaus in Verbindung gebracht werden konnte und vermeintlich einen Wert darstellte, geeignet, geradezu zwangsläufig der Kriegsopferversorgung zuzufallen. Das betraf den Bereich der sogenannten Sachdemo- bilisierung, also die Verwertung der Kriegsgüter, aber vor allem das Vermögen des Hau- ses Habsburg. Hier wurde die Haltung auch von rechtlicher Seite her unterstützt, sah doch das Habsburgergesetz tatsächlich eine entsprechende Zweckwidmung des Vermö- gens der ehemaligen Herrscherfamilie vor.1 Für diese Forderungen, die überdies Berei- che betrafen, auf die der Staat unmittelbaren Einfluss nehmen konnte, hatte insbeson- dere das sozialdemokratisch geführte Staatsamt für soziale Verwaltung ein offenes Ohr. 1 Vgl. dazu detailliert Kapitel 9.2.2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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