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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 385 -
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385Vereinssubventionierung : eine „Kollektivfürsorge“ so weisen die vielen Berichte über Unmutsäußerungen von Gaststättenbesuchern auch im Invaliden doch darauf hin, dass die Spielabgabe tatsächlich eher kontraproduktiv wirkte. Sie spülte nur einen Bruchteil der anfangs erhofften Geldmittel in die Kassen des Kriegsopferfonds, drohte dabei aber, das ohnehin sinkende Wohlwollen der Öf- fentlichkeit gegenüber Kriegsbeschädigten weiter zu schmälern. So gesehen, lag die Zeitschrift Soziale Praxis und Archiv für Volkswohlfahrt mit ihrer Prophezeiung, wo- nach wohl nicht damit zu rechnen sei, dass die Abgabe ein finanzieller Erfolg werde, durchaus richtig ; doch ihre Befürchtung, durch die Zweckwidmung der Erträge aus der Spielabgabe für die Kriegsbeschädigtenfürsorge könne „dem Spiel der Anschein eines wohltätigen Unternehmens verliehen“ werden, erfüllte sich nicht, denn wo es ging, entzogen sich die Spieler offenbar der Abgabepflicht. Sie frönten dem Spiel so oder so  – lieber jedoch ohne zusätzliche Kosten. 11.4 Vereinssubventionierung : eine „Kollektivfürsorge“ Der langjährige Gesetzesreferent des Zentralverbandes, Rupert Kainradl, erinnerte sich zehn Jahre nach der Vereinsgründung an einen Funktionär, der im November 1918 „in schmetternden Ausführungen erklärt [hatt]e, der Verband brauche überhaupt keine Mitgliedsbeiträge einzuheben, die Regierung habe sämtliche Auslagen des Vereines zu tragen, habe ein Lokal beizustellen und die Vereinsfunktionäre und Hilfskräfte als An- gestellte des Staates zu betrachten“.68 Tatsächlich waren in der Frühzeit des Zentralver- bandes Mitgliedsbeiträge tabu. Das damalige Leitungsgremium vertrat den Standpunkt, dass die Organisation zur Gänze vom Staat erhalten werden müsse, und konsequenter- weise enthielt schon der erste Forderungskatalog an die Regierung auch die Forderung, dass der Zentralverband mit insgesamt Kr 50.000 pro Jahr subventioniert werden solle.69 Dass diese Forderung staatlicherseits uneingeschränkt erfüllt wurde  – und zwar nur wenige Wochen später70  –, zeugt nicht nur von der Machtposition des Kriegsbeschä- digtenvereins, sondern auch davon, dass hier ein neues Verhältnis zwischen Interessen- 68 Rupert Kainradl, Vor zehn Jahren. Aus den Anfängen der Kriegsopferbewegung, in : Neues Werden. Of- fizielles Organ des Landesverbandes Niederösterreich der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1928, S.  1–8, hier S.  3f. Vgl. auch Rupert Kainradl, Wie wir die Ortsgruppe Wien gründeten. Aus alten Protokollen, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928, S.  14 und 16, hier S.  16. 69 „Denkschrift der Forderungen der Kriegsbeschädigten“, in : Der Invalide, Nr. 1 v. November 1918, S.  3f, hier S.  4. Vgl. auch Rupert Kainradl, Vor zehn Jahren. Aus den Anfängen der Kriegsopferbewegung, in : Neues Werden. Offizielles Organ des Landesverbandes Niederösterreich der Kriegsinvaliden und Krie- gershinterbliebenen, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1928, S.  1–8, hier S.  5. 70 Vgl. Kapitel 11.2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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