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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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389Vereinssubventionierung : eine „Kollektivfürsorge“ konnte jedoch nicht verhindern, dass sich immer wieder Kleinbetrüger an den Spen- den bereicherten.88 Eine andere Einnahmequelle bestand in den Gewinnen, die die von den Vereinen be- triebenen oder verpachteten Kinos abwarfen. Kinokonzessionen dienten  – ähnlich wie die Lizenzen für Tabaktrafiken89  – nicht nur der Versorgung von Kriegsbeschädigten, sondern auch der Unterstützung der Organisationen. So war etwa der Reichsverband kriegsbeschädigter Intellektueller Inhaber des Eos-Kinos in Wien,90 der Wiener Zweig des Zentralverbandes verfügte über die Konzession des Wiener Weltspiegelkinos,91 und die Wiener Ortsgruppe XIV betrieb die Raimund-Lichtspiele.92 Alle Verbände lukrierten außerdem Spenden von privater Seite. Der Zentralverband konnte dabei schon sehr früh auf einen prominenten Sponsor verweisen : Karl Kraus kam einem Ansuchen des Verbandes, „einen Vortrag zu Gunsten der Invalidenfür- sorge zu veranstalten“,93 schon im Februar 1919 gerne nach. Nachdem die Spendenbe- reitschaft des Publikums zunächst eher gering war (bei einer Veranstaltung mit 3.400 Besuchern kamen angeblich nur Kr 50 zusammen), erklärte Kraus seine Vorlesungen im Wiener Konzerthaus kurzerhand für ausgesetzt. Sie würden „erst wieder stattfin- den, wenn das Publikum des kleinen, mittleren und großen Konzerthaussaales, von 9. März, 16. März und 1. April 1919, dem Appell des Vorlesers für den ‚Zentralverband der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten‘ (I., Landskrongasse 1, Postsparkas- senkonto Nr. 81.658) in einem das Ergebnis von 50 Kronen erheblich übersteigenden Maße entsprochen haben wird.“94 Die Führungsriege des Zentralverbandes las das „mit größtem Vergnügen“95 und bedankte sich herzlich, doch das Publikum war offenbar nur mäßig beeindruckt, denn das Spendenaufkommen blieb nach wie vor unter den 88 Vgl. exemplarisch ebd., „,Wir sind vom Amt !‘ Millionenschwindeleien mit Invalidenspesen“, in : Neuig- keitsweltblatt v. 1.5.1923, S.  5 (Zeitungsausschnitt). 89 Vgl. dazu Kapitel 12.2. 90 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2910 (Reichsverband der kriegsbeschädigten Intellektuellen Österreichs). 91 Wien XVI, Lerchenfelder Gürtel 55 ; Der Invalide, Nr. 20 v. 25.10.1921, S.  2 ; ebd., Nr. 11 v. November 1928, S.  29. 92 Wien XIV, Sechshauserstraße 3 ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zent- ralverband der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs). Zu den Kinolizenzen vgl. auch Landesverband Wien (Hg.), Handbuch, Wien 1921, S.  36f. 93 Die Fackel, Nr. 508–513 (1919), S.  33f, Gallos an Kraus v. 21.2.1919. Kraus Fackel hatte nach dem Krieg eine eindeutig antimilitaristische und sozialdemokratische Ausrichtung ; Jens Malte Fischer, Das technoromantische Abenteuer. Der Erste Weltkrieg im Widerschein der Fackel, in : Klaus Vondung (Hg.), Kriegserlebnis. Der Erste Weltkrieg in der literarischen Gestaltung und symbolischen Deutung der Nationen, Göttingen 1980, S.  275–285. 94 Ebd., Nr. 514–518 (1919), S.  U4. 95 Ebd., Nr. 521–530 (1920), S.  95, ZV an Kraus v. 26.8.1920.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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