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bis 1934
gerade 26 Jahre alt – Vorsitzender des Landesverbandes Wien und seit 192256 auch
stellvertretender Obmann des gesamtösterreichischen Verbandes. Brandeisz war am
3. Juli 1894 in Wien in eine jüdische Familie geboren worden.57 Er besuchte vor dem
Krieg die Volks- und Mittelschule und war als Handelsangestellter bei verschiede-
nen Firmen beschäftigt. Zu Kriegsbeginn rückte er als Einjährig-Freiwilliger zum
Infanterieregiment Nr. 100 ein. 1923, als 29-Jähriger, heiratete er Hedwig Marel und
lebte in den ersten Jahren seiner Ehe mit ihr in der – laut polizeilicher Erhebung
komfortablen – Zwei-Zimmer-Wohnung der Schwiegermutter zur Untermiete.58
Spätestens 1931 wurde Brandeisz als „konfessionslos“ geführt.59 Als Funktionär des
Zentralverbandes war er nicht nur eine im Inland bekannte Persönlichkeit, sondern
pflegte auch intensive internationale Kontakte, wobei ihm zugute kam, dass er flie-
ßend Französisch sprach.60 Er nahm wiederholt an internationalen Sachverständi-
genkonferenzen zu Kriegsbeschädigtenfragen teil,61 reiste oft nach Genf und war
in der 1926 dort gegründeten CIAMAC (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Ver-
bände der Kriegsopfer [Beschädigte, Witwen, Waisen und Eltern] und früheren Kriegsteil-
nehmer) aktiv.62 Zunächst zum ersten Vorstandsvorsitzenden der CIAMAC gewählt,
übernahm er – nachdem er die internationale Organisation auch zweimal (1927 und
1932) als Gastgeber in Wien empfangen hatte63 – im Jahr 1932 deren Präsident-
umgewandelten Wiener Organisation gewählt ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1375, 20010/1920.
56 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisatio-
nen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), Aktenübersicht.
57 Ebd., VIII 2648/1 (Landesverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Zentralverbandes
der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs), LV Wien des
ZV an Polnische Gesandtschaft v. 27.7.1928.
58 Ebd., PDion Wien, Meldung v. 26.5.1928.
59 Z. B. ebd., BPDion Wien/Administrationsbüro an Dienststelle für Staatslotterien v. 15.9.1931.
60 Zu Brandeisz’ internationaler Vernetzung siehe Verena Pawlowsky/Harald Wendelin, Mobilisierung der
Immobilen – Die Kriegsbeschädigten des Ersten Weltkriegs organisieren sich, in : Österreichische Zeit-
schrift für Geschichtswissenschaften, 22 (2011) 1 : Politisch Reisen, S. 185–198.
61 „Aus aller Welt“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. 15.3.1922, S. 2 ; „Erste internationale Sachverständigenkonfe-
renz zur Überprüfung von Kriegsbeschädigtenfragen“, in : ebd., Nr. 4 v. 15.4.1922, S. 2f ;
62 CIAMAC, nach der französischen Bezeichnung Conférence internationale des associations de victimes
de la guerre (mutilés, veuves, orphelins et ascendants) et anciens combattants. Das Gründungstreffen fand
vom 30.9.–2.10.1926 in Genf statt ; „Der internationale Zusammenschluß der Kriegsopfer. Ein Oester-
reicher Vorsitzender der internationalen Arbeitsgemeinschaft“, in : ebd., Nr. 10 v. 31.10.1926, S. 4–6. Vgl.
zum Namen der Organisation z. B. Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–
1932, „Internationaler Kongress der Kriegsopfer“, in : Arbeiter-Zeitung v. 30.9.1927 (Zeitungsausschnitt).
63 Zu den Daten siehe Christian Weiß, „Soldaten des Friedens“. Die pazifistischen Veteranen und Kriegs-
opfer des „Reichsbundes“ und ihre Kontakte zu den französischen anciens combattants 1919–1933,
in : Wolfgang Hardtwig (Hg.), Politische Kulturgeschichte der Zwischenkriegszeit 1918–1939 (= Ge-
schichte und Gesellschaft Sonderheft 21), Göttingen 2005, S. 183–204, hier S. 198.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918