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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 442 -
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442 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 schaft.64 Seit Dezember 1930 saß er für die sozialdemokratische Partei als jüngster Abgeordneter im Bundesrat des österreichischen Parlaments.65 Erst die Februarer- eignisse des Jahres 1934 und dann der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 sollten seine innenpolitische Karriere beenden.66 Gegnerschaft prägte fortan also das Verhältnis zwischen Zentralverband und Reichs- bund. Polemiken, die bisweilen ganze Nummern des Wiener Invaliden füllten, Spott und auch gerichtliche Klagen67 zählten zum Repertoire des Zentralverbandes. Der Reichsbund wurde seinerseits ebenfalls nicht müde, den Zentralverband zu kritisieren. Trotz einer deutlichen Abschwächung der Feindseligkeiten ab dem Jahr 1929 änderte sich an der grundsätzlichen Frontstellung bis zur Auflösung des Zentralverbandes im Februar 1934 nichts.68 Einerseits kreidete der Zentralverband dem Reichsbund seine monarchistische Ausrichtung an, andererseits bezichtigte er ihn angeblich unsauberer Methoden der Mitgliederwerbung69 (etwa der Funktionalisierung der Pfarren70) sowie diverser Verwicklungen in kriminelle Machenschaften. Auch die Nähe des Reichsbun- des zur Frontkämpfervereinigung71 wurde kritisiert.72 Wieder und wieder führte der Zentralverband außerdem das Argument ins Treffen, dass der Reichsbund als Interes- senvertretung einfach zu zahm sei, sich zu wenig für die Kriegsbeschädigten einsetze73 64 „Die VIII. Jahresversammlung der C.I.A.M.A.C. Ein wahrer Völkerbund  – Eine mächtige Kundgebung für Frieden und Völkerverständigung  – Kamerad Brandeisz zum Präsidenten gewählt“, in : Der Invalide, Nr. 9 v. September 1932, S.  1f. 65 „Kamerad Brandeisz : Bundesrat !“, in : ebd., Nr. 12 v. Dezember 1930, S.  4. 66 Vgl. dazu Kapitel 13.2.1. 67 Geklagt wurden Vertreter des „Drexel-Verbandes“ ; „In eigener Sache“, in : Der Invalide, Nr. 9 v. 30.9.1925, S.  3. Der Zentralverband richtete diverse Vorwürfe an die Adresse des Reichsbundes und verband sie mit der Aufforderung, doch eine Klage einzubringen, wenn sie unrichtig sein sollten ; [Maximilian Brand- eisz], Skandalöse Geschäfte des Reichsbundes. Er versucht den Zentralverband anzugreifen, um von sei- nen Machenschaften abzulenken, in : Der Invalide, Nr. 2 v. Februar 1933, S.  5f ; „Skandalöse Geschäfte des Reichsbundes“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. März 1933, S.  10. 68 „Was christlichsoziale Parteigrößen an Invaliden verbrechen“, in : Der Invalide, Nr. 5 v. 15.5.1922, S.  3 ; auch „Die wahren Feinde der Kriegsopfer“, in : ebd., Nr. 5 v. 15.5.1922, S.  2 ; „Entlarvt ! Der christlichso- ziale ‚Reichsbund‘, Hofburg, verhindert eine Rentenerhöhung ! Der Verrat endlich eingestanden !“, in : ebd., Nr. 1 v. 31.1.1926, S.  3. 69 „Christlich-soziale Bestechungs- und Erpressungsversuche“, in : ebd., Nr. 8 v. 31.8.1925, S.  6 ; „Feine Methoden“, in : ebd., Nr. 7 v. 31.7.1927, S.  5f. 70 „Perfidie des Drexelverbandes“, in : ebd., Nr. 9 v. 30.9.1925, S.  2f. 71 Die Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs war 1920 von Oberst Hermann Hiltl gegründet worden, 1935 wurde sie aufgelöst. 72 „Die Frontkämpfervereinigung mit neuer Schmach bedeckt“, in : Der Invalide, Nr. 1 v. 31.1.1927, S.  6. 73 „Entlarvt ! Der christlich-soziale Reichsbund, Hofburg, verhindert eine Rentenerhöhung ! Der Verrat endlich eingestanden !“, in : ebd., Nr. 1 v. 31.1.1926, S.  3.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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