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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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443Entwicklung bis 1934 und eine gewisse „Regierungsfrommheit“74 an den Tag lege. Dieser Vorwurf galt im Besonderen Karl Drexel selbst, der nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangen- schaft politische Mandate im österreichischen Parlament innehatte und zugleich als Invalidenvertreter der Christlichsozialen fungierte. Die „Zwitterstellung des Prälaten Drexel zwischen Regierungs- und Invalidenvertreter“75 führte nach Ansicht des Zen- tralverbandes dazu, dass Drexel die Interessen der Kriegsbeschädigten im Parlament nicht ausreichend vertrat.76 Dass freilich ein Abgeordneter per se kein Vertreter der Regierung war, blieb unerwähnt, und als sieben Jahre später mit Maximilian Brandeisz ein Mann des Zentralverbandes zum Bundesrat avancierte, war diese Argumentation vergessen und der Invalide voll des Stolzes.77 Glaubt man den hämischen Berichten in der Presse des Zentralverbandes, so zeigten die Kriegsbeschädigten gegenüber dem Reichsbund ohnehin nur geringes Interesse, so- dass dessen Veranstaltungen trotz ihrer pompösen Aufmachung schlecht besucht blie- ben.78 Hier war wohl viel Wunschdenken mit im Spiel, denn anders ließe sich nicht erklären, warum die Rivalität zwischen den Verbänden vor den Lesern dennoch derart beharrlich ausgebreitet wurde. Besonders umkämpft war die Vorherrschaft unter den Invaliden im Rainerspital79 und in der sogenannten Kopfschussstation80  – an diesen Orten agitierten die Verbände überaus intensiv. 74 „Rückschau und Ausblick“, in : ebd., Nr. 1 v. Jänner 1928, S.  1. 75 „Eine gut informierte Berichterstattung“, in : ebd., Nr. 1 v. 31.1.1925, S.  5. 76 „Aus dem Parlament“, in : ebd., Nr. 4 v. 30.4.1925, S.  3f ; „Die IX. Novelle im Nationalrat beschlossen. […] Der Präsident des ‚Reichsbundes‘ Abgeordneter Dr. Drexel stimmt im Parlament gegen die Ren- tenerhöhung“, in : ebd., Nr. 2 v. 28.2.1927, S.  1f ; „Und wo waren die Abgeordneten und Prälaten Dr. Drexel und Gangl“, in : ebd., Nr. 12 v. Dezember 1928, S.  7f ; „Die unermüdliche Stimme“, in : ebd., Nr. 2 v. Februar 1929, S.  1f. 77 „Kamerad Brandeisz : Bundesrat !“, in : Der Invalide, Nr. 12 v. Dezember 1930, S.  4. 78 „Der Drexelverband auf dem Kriegspfad“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. 31.3.1926, S.  4 ; „Eine Veteranenta- gung. Faschingsscherze des Drexelverbandes“, in : ebd., Nr. 9 v. 30.9.1926, S.  3f ; „Der christliche ‚Reichs- delegiertentag‘  – gänzlich misslungen“, in : ebd., Nr. 7/8 v. Juli/August 1928, S.  12f. 79 „Im Schmuck der fremden Federn“, in : ebd., Nr. 8 v. 31.8.1925, S.  4 ; „Beim Betrug erwischt. Der ‚Reichsbund der christlichen Invaliden‘ hintergeht die Behörde, täuscht die Oeffentlichkeit und betrügt die Invaliden“, in : ebd., Nr. 11 v. November/Dezember 1926, S.  5f ; „Beim Betrug erwischt“, in : ebd., Nr. 12 v. 31.12.1926, S.  9f ; „Tätigkeitsbericht der Invalidenvertretung und Sektion des Verbandes im Rainer- spital“, in : ebd., Nr. 1 v. 31.1.1927, S.  8 ; vgl. auch Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopfer- verband 1917–1932, „Was geht im Rainerspital vor ?“, in : Reichspost v. 12.3.1926 (Zeitungsausschnitt). 80 „Die kommunistische Partei wirbt um die Gunst der Kriegsopfer“, in : Der Invalide, Nr. 3 v. März 1928, S.  6 ; „Die Kopfschußstation“, in : ebd., Nr. 4 v. 31.4.1926, S.  3 ; zur Kopfschussstation vgl. FN 86 in Kapitel 11.4.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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