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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 446 -
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446 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 International Labour Organization des Völkerbundes in Genf. Brandeisz war Anfang Oktober 1926 zum Präsidenten der Internationale der Kriegsopfer gewählt worden, Dr. Stein, der beim Internationalen Arbeitsamt in Genf arbeitete, zum Zweiten Se- kretär und Hirsch zum Obmann der Kriegsblindensektion der Internationalen.92 Der bei Kriegsende erst 20-jährige Hans Hirsch93 war Wiener jüdischer Herkunft, jedoch konfessionslos. Als Kriegsbeschädigter erwarb er die Lizenz für eine Tabaktrafik und lebte  – seit 1926 mit Ada Klos verheiratet94  – in einer Wohnung in Wien. Da er nicht nur sein Augenlicht, sondern auch beide Hände verloren hatte, blieb er bei allen all- täglichen Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen. Hirsch wurde zu einem der wichtigsten Vertreter der Kriegsblinden und war wie Brandeisz  – und, seit die beiden Vereine enger zusammenarbeiteten, auch oft mit diesem gemeinsam  – in internati- onalen Zusammenschlüssen sehr aktiv. Die NS-Zeit überlebte er in Wien, offenbar schütze ihn seine Ehe mit der „arischen“ Ada Klos. Sein Tabakkiosk an der Wiener Schwedenbrücke wurde ihm freilich entzogen.95 Der Artikel in der Burgenländischen Heimat endete mit den Worten „Was sagen wir nun ? Juden als Vertreter der Invaliden ! Hat man je einen jüdischen Kriegsinvaliden gesehen“.96 Hier benutzte die Zeitung  – in diesem Fall antisemitisch gewendet  – einen auch unter den gegnerischen Kriegsopferorganisationen beliebten und besonders per- fiden Vorwurf, nämlich den, dass die Vertreter der Kriegsbeschädigten selbst gar keine Kriegsinvaliden seien.97 Und es war dieser Vorwurf, und nicht der Antisemitismus, 92 Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, „Der österreichische Invali- denverband in der internationalen Invalidenbewegung führend“, in : Arbeiter-Zeitung v. 9.10.1926 (Zei- tungsausschnitt). 93 Hans Hirsch (*24.5.1898, †2.8.1970) ; „Die Preisträger 1956 der Dr. Karl Renner Stiftung“, in : Rathaus- Korrespondenz v. 13.12.1956, S.  2464ff, hier S.  2465f ; Todesnachricht in Wiener Zeitung v. 4.8.1970, S.  5. 94 „Vermählungen“, in : Nachrichten des Verbandes der Kriegsblinden Österreichs, Nr. 5/6 v. Mai/Juni 1926, S.  3. 95 AT-OeStA/AdR E-uReang VVSt VA, 7968, Hans Hirsch. Hirsch war nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in der Kriegsblindenorganisation aktiv und gründete die Hörbücherei des Blinden- und Seh- behindertenverbandes Österreich ; 40 Jahre Verband der Kriegsblinden Österreichs, 1919–1959, Wien 1959. 96 Burgenländische Heimat. Wochenblatt für das christliche Volk, 6 (1926) 48, zit. in Maximilian Brand- eisz, Unerhörte Gemeinheit eines christlichsozialen Wochenblattes, in : Der Invalide, Nr. 11 v. Novem- ber/Dezember 1926, S.  6. 97 Diesen Vorwurf gab es übrigens auch aufseiten des Zentralverbandes, er richtete sich in diesem Fall gegen Drexel ; „Das Beschäftigungsgesetz verlängert und verbessert. Ein Erfolg der Organisation“, in : ebd., Nr. 1 v. 31.1.1925, S.  3. Vgl. auch den Fall Saischek in Wienbibliothek, Tagblattarchiv, Mappe : Kriegsopferverband 1917–1932, „Erwiderung auf die Beschuldigungen gegen einzelne Funktionäre des Landesverbandes der Kriegsbeschädigten“, in : Arbeiterwille v. 22.3.1928 (Zeitungsausschnitt).
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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