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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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451Entwicklung nach 1934 Klientel gar nicht so unrecht war, warb der Zentralverband weiter für eine Einheitsorga- nisation. Die Anfang 1931  – ob ernsthaft oder nicht  – angestrebte Annäherung an den Reichsbund (der Zentralverband wollte zwecks Durchsetzung bestimmter Forderungen punktuell gemeinsam vorgehen) blieb jedenfalls Episode.119 Drexel hatte schon zuvor programmatisch erklärt, dass seiner Meinung nach nur die Existenz von zwei Organi- sationen Einseitigkeit vermeiden und die notwendige Kontrolle garantieren könne.120 Von einer Zersplitterung, wie sie der Invalide noch Anfang 1923 beklagt hatte, war nun zwar nichts mehr zu bemerken, die Invalidenbewegung zeigte sich aber  – wie das ganze Land  – in zwei Hauptlager zerfallen. Es sollte dem ab März 1933121 autoritär regierenden Regime unter Engelbert Dollfuß vorbehalten bleiben, die Idee einer über- parteilichen Einheitsorganisation umzusetzen. Diese stand dann freilich unter ganz anderen Vorzeichen, als das vom Zentralverband angestrebt worden war. 13.2 Entwicklung nach 1934 13.2.1 1934 : Zerschlagung des Zentralverbandes Die Kämpfe des Februar 1934122 waren eine Zäsur  – auch in der Geschichte der Orga- nisierung der österreichischen Kriegsbeschädigten. Die in der Folge des Bürgerkrieges verfügten Maßnahmen brachten das Ende der meisten Kriegsopferverbände, wobei es den als sozialdemokratisch eingestuften Zentralverband am härtesten traf. Die Behör- 119 Es ging um die neuerliche Novellierung des IEG ; mit den Forderungen des Zentralverbandes (Erhö- hung der Renten, Abänderung des Verfahrens und Anpassung des IEG an das deutsche RVG) konnte sich der Reichsbund tatsächlich identifizieren, doch weder ist in der Folge im Invaliden von einem akkordierten Vorgehen zu lesen, noch änderte sich der Ton der Zeitung gegenüber dem Reichsbund ; etwa Maximilian Brandeisz, Offener Brief an den Herrn Abgeordneten Prof. Dr. Karl Drexel, in : ebd., Nr. 2 v. Februar 1931, S.  8f ; vgl. auch „Antwort auf den offenen Brief“, in : ebd., Nr. 3 v. März 1931, S.  3. 120 Karl Drexel, Zusammenarbeit, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 11 v. November 1928, S.  1f ; vgl. auch „Die Generalversammlung des Bundes Wien“, in : ebd., Nr. 4 v. April 1930, S.  2–4. 121 Die Christlichsoziale Partei nutzte Anfang März 1933 eine Geschäftsordnungskrise des Parlaments, um unter Berufung auf das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz von 1917 einen autoritären Kurs einzuschlagen. Schrittweise wurden in der Folge demokratische Prinzipien (Pressefreiheit, Wah- len) außer Kraft gesetzt ; im Mai wurde die Einheitspartei Vaterländische Front gegründet ; der auf ständischer Grundlage errichtete neue Staat („Ständestaat“) gab sich schließlich im Mai 1934 eine neue Verfassung. 122 Am 12.2.1934 kam es in mehreren Orten Österreichs zu Zusammenstößen zwischen dem zu diesem Zeitpunkt bereits illegalen, sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und verschiedenen von der Regierung aufgestellten freiwilligen Wehrverbänden, der Polizei sowie dem Bundesheer. Dieser „Österreichische Bürgerkrieg“ endete am 15.2.1934 mit über 1.000 Toten, mehreren standrechtlich verhängten Todesurteilen und dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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