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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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455Entwicklung nach 1934 die vorbehaltlose Akzeptanz des autoritären Führerprinzips148 und übernahm selbst die Oberleitung.149 Der Invalide erschien noch ein Mal. Die Februar/März-Nummer trug jedoch bereits die Handschrift der neuen Führung. Das Cover ziert ein großes Foto Emil Feys ; sein Leitartikel an die über 100.000 ehemaligen Zentralverbands- Mitglieder schließt mit den Worten : „Euer Verband heiße Österreichischer Kriegs- opferverband !“150 Die Transformation des Zentralverbandes in den Österreichischen Kriegsopferver- band war autoritär vollzogen worden ; sie stellte aber nicht nur aus politischen Grün- den einen massiven Eingriff in die Vereinslandschaft dar, sondern war auch formal ein zweifelhaftes Unterfangen. Vereinsrechtlich bestand der Zentralverband nämlich weiter, doch seinen Betrieb hatte der Kriegsopferverband übernommen ; die Mitglieder mussten ihre Mitgliedsbücher abgeben, womit sie gleichzeitig den Austritt aus dem Zentralverband erklärten,151 doch waren sie damit nicht automatisch Mitglieder des neuen Verbandes, sondern mussten ihm aktiv beitreten, was  – wie die bekannten Zah- len zeigen152  – nicht alle taten. Auch die Übernahme des Vermögens des alten Zentral- verbandes geschah denkbar unprofessionell. Diese Übernahme habe sich, wie Josef Resch Mitte 1936  – damals gerade seit einem Monat wieder Sozialminister153  – im Ministerrat zugeben musste, „in den unglücklichsten Formen vollzogen“.154 Es wurde Heimwehr, sowie Wolfgang von Wieser ; ebd., Zirkulartelegramm v. 19.2.1934 ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/1 (Landesverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Ös- terreichs), Wieser an BPDion/VB v. 30.7.1934. 148 „Auf dem Weg zum Einheitsverband aller Kriegsopfer“, in : Der Invalide, Nr. 2/3 v. Februar/März 1934, S.  2f. 149 Manche Landesverbände zeigten vorauseilenden Gehorsam : Der oberösterreichische Landesverband etwa suspendierte seinen Obmann selbst, weil er Funktionär der sozialdemokratischen Partei war. 150 Ebd., Nr. 2/3 v. Februar/März 1934, S.  1. 151 „Was war in Linz und Salzburg los ?“, in : Österreichische Kriegsopfer-Zeitung. Hauptblatt des öster- reichischen Kriegsopfer-Verbandes, Nr. 5 v. Mai 1935, S.  1. 152 Vgl. zu den Zahlen Kapitel 15.2.3. 153 Josef Resch (*1880, †1939) war in der Ersten Republik insgesamt viermal Sozialminister : 20.11.1920– 21.6.1921, 20.11.1924–26.9.1929, 20.6.1931–11.3.1933, 14.5.1936–11.3.1938 ; http://www.parlament. gv.at/WWER/PAD_01668/ (Abfrage : 10.5.2012) ; http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.r/r520761.htm (Abfrage : 10.5.2012). 154 MRP 1032/7 v. 19.6.1936, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Kabi- nett Dr. Kurt Schuschnigg, Bd. 5, MRP Nr. 1025 vom 19. März 1936 bis MRP 1036 vom 24. Juli 1936, hg. von Gertrude Enderle-Burcel, bearbeitet von Walter Mentzel, Wien 2001, S.  249–256, hier S.  250. Dass seit dem Februar 1934 Chaos in der Buchhaltung geherrscht hatte, ordentliche Bilanzen nicht mehr gelegt und der Verein von diesem Zeitpunkt an herabgewirtschaftet worden war, stellten auch die Revisoren des Stillhaltekommissars fest, dessen Dienststelle nach 1938 die österreichischen Vereine auflöste bzw. in reichsdeutsche Organisationen überführte ; AT-OeStA/AdR ZNsZ Stiko Wien, Kt.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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