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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 462 -
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462 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 tet fühlten und der im Kriegsopferverband installierten Führungsschicht nicht trauten, waren das doch „[n]eue Leute, deren Namen man niemals in der Kriegsopferbewegung gehört hat, durch- wegs aus dem aktiven Offiziersstande hervorgegangen, vielfach Laien auf dem Gebiete der Kriegsopfergesetzgebung […] ; die alten Kameraden mit ihren jahrelangen Erfahrungen wurden ausgeschaltet oder in untergeordnete Stellungen gezwängt, wo sie sich nicht mehr entfalten konnten.“192 Mit dieser Tatsache hatten auch jene kleinen Funktionäre ihre Probleme, die zuvor ihre Heimat im Zentralverband hatten. Die neuen Umgangsformen, der betonte Zentralis- mus, die fehlende Mitbestimmung  – vor allem auf Ebene der Ortsgruppen  – und das Gefühl, dass ihnen die eigenen Angelegenheiten aus das Hand genommen wurden,193 schufen Unmut und ließen manche Funktionäre des ehemaligen Zentralverbandes mit dem einstigen Feind enger zusammenrücken : Drei Landesverbände  – jene von Salz- burg194 und Oberösterreich195 sowie der Invalidenverband Vorarlberg196  – schlossen sich Anfang 1935 dem Reichsbund an.197 Umgekehrt gab es aber auch unter den Funktionären des Reichsbundes kontroversielle Auffassungen darüber, welcher Verband die Einheits- organisation besser repräsentiere  – und nicht für alle war das der Reichsbund : Der lang- jährige Wirtschaftsdirektor des Reichsbundes etwa wechselte zum Kriegsopferverband,198 der Obmann des Burgenlandes tat dasselbe und auch sein niederösterreichischer Kol- lege meinte, dass nichts anderes übrig bliebe, als sich Fey zu unterstellen, und übersie- delte mit Kassabuch und Vereinsstampiglie in das Büro der gegnerischen Fraktion.199 Es war Bewegung in die Organisationslandschaft gekommen. 192 „Zur Steuer der Wahrheit“, in : ebd., Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1935, S.  8. 193 „Vorarlberg, Oberösterreich und Salzburg weisen den Kriegsopfern den Weg !“, in : ebd., Nr. 4/5 v. April/ Mai 1935, S.  1f. Der Kriegsopferverband versuchte, die Vorwürfe durch eine auszugsweise Veröffentli- chung der Satzung zu entkräften ; „Schach der Lüge : Unsere Satzungen“, in : Österreichische Kriegs- opfer-Zeitung, Nr. 6 v. Juni 1935, S.  3. 194 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Öster- reichs), Salzburger Chronik v. 27.6.1935 (Abschrift). 195 „Zur Steuer der Wahrheit“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1935, S.  8. 196 „Einheitskriegsopferverband in Vorarlberg !“, in : ebd., Nr. 1/2 v. Jänner/Februar 1934, S.  1. 197 „Zur Steuer der Wahrheit“, in : ebd., Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1935, S.  8. 198 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Öster- reichs), Niederschrift v. 29.3.[1935]. 199 Er übersiedelte in die Berggasse, wo der  – dem Kriegsopferverband bereits unterstellte  – Zentralver- band noch seinen Sitz hatte ; ebd., [Karl Drexel], Zur Information pro domo [v. März 1934] ; „Urteilet selbst“, in : Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 3/4 v. März/April 1934, S.  1f, hier S.  1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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