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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 464 -
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464 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 Landesverbände von Wien, Niederösterreich und der Steiermark übernommen hatte, eindeutig der mitgliederstärkere. Eine Erhebung des Sozialministeriums ergab, dass 1935 auf den Kriegsopferverband etwa 80 % der organisierten Kriegsbeschädigten ent- fielen, auf den Reichsbund hingegen nur 20 %.209 13.2.2 1936 : Gründung des Einheitsverbandes 1936 wurde ein Schlussstrich unter die bereits zwei Jahre währenden Streitigkeiten ge- zogen. Ein Einschreiten schien der Regierung aus mehreren Gründen geboten. Zum einen musste sie eingestehen, dass der Versuch, auf dem Weg der Fusionierung einen Einheitsverband für alle Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu installieren, gescheitert war ; zum anderen sah sie sich mit einem finanziellen Desaster konfrontiert, denn der Kriegsopferverband war mittlerweile konkursreif. Fey war mehr daran inter- essiert gewesen, Gefolgsleute aus der Heimwehr im Verband unterzubringen und dort mit Posten zu versorgen,210 als sich um Bilanzen oder Mitgliederwerbung zu kümmern. Minister Resch stellte 1936 fest, dass die führenden Personen „nicht imstande gewesen seien, die Verbandsangelegenheiten ordentlich zu verwalten“.211 Eine Liquidation war unumgänglich, sollte aber nach dem Willen der Regierung unter „möglichster Vermei- dung von Aufsehen in der Öffentlichkeit“212 geschehen, um unter den Kriegsbeschä- digten keine Beunruhigung auszulösen. Parallel dazu beschloss die Regierung, eine „ständestaatliche“ Einheitsorganisa- tion für Kriegsopfer nun per Gesetz zu verwirklichen, denn nach wie vor verfügte die Gruppe der Kriegsopfer über soviel symbolisches Kapital, dass eine völlige Ausschal- tung ihrer Organisation undenkbar war : Aufbauend auf einem, dem Ministerrat be- reits Mitte 1935 vom damaligen Sozialminister Neustädter-Stürmer vorgelegten und in der Folge von einem Ministerkomitee beratenen213 Gesetzesentwurf, wurde am 12. 209 Die Zuwendungen für die von den Verbänden durchgeführte karitative Fürsorge und die Aufteilung der Mandate in den verschiedenen Kommissionen und Ausschüssen folgten diesem Schlüssel ; MRP 1004/7 v. 9.7.1935, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Kabinett Dr. Kurt Schuschnigg, Bd. 3, MRP Nr. 998 vom 31. Mai 1935 bis MRP 1015 vom 30. November 1935, bearbeitet von Gertrude Enderle-Burcel, Wien 1995, S.  166–170, hier S.  166. 210 Dass es bei den Auseinandersetzungen im Wesentlichen darum ging, wurde im Ministerrat offen ange- sprochen ; MRP 1032/7 v. 19.6.1936, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Bd. 5, S.  249–256, hier S.  254. 211 Ebd., S.  253. 212 Ebd., S.  253. 213 MRP 1004/7 v. 9.7.1935, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Bd. 3, S.  166–170, hier S.  170.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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