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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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471Entwicklung nach 1934 tungen anspornte, uns oft fast Übermenschliches ertragen ließ, muss das Material zur Kette unserer Schicksalsgemeinschaft werden. […] Die Kriegsopfer Österreichs werden in Hin- kunft nicht mehr nebeneinander oder gar gegeneinander ihre sittlich berechtigten Wünsche vertreten, sondern in einer großen, zielbewußten, einigenden Gesamtheit. […] Das Große Gemeinsame aller Kriegsopfer ist das Verlangen nach gerechter Wertung der von uns dem Vaterland dargebrachten Opfer“.248 Wer diese „gerechte Wertung“ vornehmen hätte sollen, die Kriegsopfern  – wie das Zitat suggeriert  – bislang vorenthalten worden war, und wer es war, der ihnen diese Wertung versagt hatte, blieb im Unbestimmten. Am ehesten war es der herzlose Staat, dessen „beamtetes oder geistiges Bureaukratentum ein Schicksal zu einer bloßen Akt- nummer zu degradieren versucht“.249 Im Vagen verharrend, sah der Einheitsverband seine Aufgabe darin, an die „Frauen und Männer Österreichs“ zu appellieren, den Kriegsopfern angesichts ihrer Leistungen  – sei ihnen doch zu „verdanken, daß kein Feind unseren heimatlichen Boden betreten hat“  – mit „verstehender Rücksicht und mit achtungsvollem Mitgefühl“ zu begegnen.250 Die Regierung habe die Kriegsopfer bereits „als besonders wertvolle Gruppe des Volkes anerkannt“,251 die Sympathien der Bevölkerung müssten aber erst noch gewonnen werden.252 Perfid  – man fühlt sich an Argumentationen der Monarchie erinnert  – wurde Kriegsbeschädigten auf diese Weise suggeriert, dass sie  – würde ihnen erst die Achtung, die ihnen zustünde, entge- gengebracht  – erreicht hätten, was sie erreichen wollten. Tatsächlich schlug sich die Neubewertung der Kriegsbeschädigten in einer mate- riellen Besserstellung dieser Gruppe nicht nieder. Der Einheitsverband verlegte sich stärker auf das symbolische Feld und sah der Regierung ausnahmslos nach, dass sie in der wirtschaftlichen Krisenzeit nicht viel geben konnte. Die Milderung von Härten und die Abwehr noch schlimmerer Verschlechterungen der Kriegsbeschädigtenver- sorgung verbuchte der Verband daher bereits als Erfolg seiner Arbeit253 und an seine Klientel appellierte er : „So habt denn, liebe Kriegsopfer, noch weiter Geduld !“254 248 [Johann] Großauer, Unser Weg  – ein gemeinsames Schicksal, in : ebd., Nr. 2 v. August 1936, S.  1f, hier S.  1. 249 Ebd. Siehe dazu auch die Argumentation von Deborah Cohen, The War Come Home. Disabled Veterans in Britain and Germany, 1914–1939, Berkeley-Los Angeles-London 2001 ; vgl. FN 50 in Kapitel 10.2.2. 250 Egon Waldstätten, Das Schicksal unserer Weltkriegskämpfer, Rundfunkrede v. 17.1.1937, in : Österrei- chische Kriegsopferzeitung/Einheitsverband, Nr. 3 v. März 1937, S.  1–3, hier S.  3. 251 „Grundsätzliches zum Wesen des Einheitsverbandes“, in : ebd., Nr. 2 v. August 1936, S.  3f, hier S.  3. 252 „Die Rundfunkrede des Bundesobmannes“, in : ebd., Nr. 2 v. August 1936, S.  2f, hier S.  3. 253 Ebd., S.  2. 254 Egon von Waldstätten, Kriegsopfer Oesterreichs !, in : Österreichische Kriegsopferzeitung/Einheitsver- band, Nr. 1 v. Jänner 1937, S.  1f, hier S.  2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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