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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 473 -
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473Entwicklung nach 1934 Das war etwa in Deutschland anders : Der deutsche Reichsbund  – mit seiner sozi- aldemokratischen Orientierung dem Zentralverband vergleichbar  – blieb zwar, auch nachdem Kriegsbeschädigtenorganisationen anderer politischer Ausrichtung gegrün- det worden waren,259 die stärkste Vertretung der Kriegsbeschädigten, erreichte dabei aber dennoch nie eine Position, die mit der faktischen Monopolstellung des öster- reichischen Zentralverbandes vergleichbar gewesen wäre.260 Die Organisierung der Kriegsbeschädigten entlang der Parteigrenzen war in ihrer scharfen Ausprägung eine deutsche Besonderheit. Österreich kannte die ideologische Separation der Kriegsbe- schädigten ebenfalls, aber in abgeschwächter Form. Das Konzept einer einheitlichen Vertretung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen in einer einzigen Orga- nisation blieb hier aber  – auch nach dem Scheitern der Einigungsbemühungen in den frühen 1920er-Jahren  – als Idee stets aufrecht.261 Dass diese Idee in Österreich gerade im autoritären „Ständestaat“ wieder aufge- griffen wurde, war logischer Ausdruck der herrschenden Ideologie, entbehrte aber angesichts der Vorgeschichte doch einer gewissen Ironie nicht. Nun wurde staatlich verordnet, was zuvor eineinhalb Jahrzehnte lang nicht gelungen war. Das Ergebnis des autoritären Eingriffs, der Einheitsverband der Kriegsopfer Österreichs, hatte freilich mit der anfänglichen Idee eines Einheitsverbandes, wie sie der in der unmittelbaren Nachkriegszeit aus einer Bewegung heraus entstandene Zentralverband vertrat, nichts zu tun. Die neue, oktroyierte Organisation war geradezu eine Falsifikation dieser Idee. Die bestehende Organisationslandschaft wurde zerschlagen, wobei der Zentralver- band schon 1934 ausgeschaltet wurde, der Reichsbund erst zwei Jahre später. Dass die Gleichschaltung etwas schleppend verlief, lag daran, dass die Heimwehr zuerst versucht hatte, eine unter ihrem Einfluss stehende Kriegsopferorganisation über die existie- 259 Neben dem Reichsbund gab es vier weitere große Vereine : den konservativen Einheitsverband (später : Reichsverband) der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Deutschlands, den Bund Deutscher Kriegsbeschädigter, den kommunistischen Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit und den christlichsozialen Zentralverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener ; James M. Diehl, The Organization of German Veterans 1917–1919, in : Archiv für Sozialgeschichte, 11 (1971), S.  139–184, hier S.  180 ; siehe auch Whalen, Bitter Wounds, S.  126–128. 260 Der Reichsbund vereinigte 1921 46 % aller organisierten Veteranen und Kriegshinterbliebenen auf sich ; siehe ebd., S.  128. 261 Wie in Österreich 1919/1920 scheiterten auch in Deutschland die etwas später  – 1921/1922  – unter- nommenen Einigungsversuche ; siehe Diehl, Organization, S.  181. Die deutschen Einigungsverhand- lungen wurden im österreichischen Invaliden durchwegs positiv kommentiert ; siehe Der Invalide, Nr. 10 v. 25.5.1921, S.  2 ; ebd., Nr. 23 v. 10.12.1921, S.  3. Whalen hebt die unüberwindbaren Unterschiede der Erfahrungen (respektive politischen Deutungen) des Krieges hervor. War für konservative Kreise das „Fronterlebnis“ die zentrale, einigende Metapher, so konnte der Krieg in der Interpretation der Sozialdemokratie nur als Beginn des „Pazifismus“ seinen Sinn erhalten ; siehe Whalen, Bitter Wounds, S.  156.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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