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14 Statistik der Kriegsopfer
Wenn im folgenden Kapitel von Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen bzw.
von Kriegsopfern die Rede ist, so gilt es noch viel stärker als im übrigen Teil der Pu-
blikation zu beachten, dass dies ausschließlich in Anwendung der jeweils geltenden
staatlichen Definition dieser Begriffe geschieht. Die Kriegsbeschädigtenstatistik, die
noch in der Monarchie produziert wurde, ist hier wesentlich ungenauer, weil sie nicht
von der MdE als alleinigem Maßstab für die Zuerkennung von finanziellen Dauer-
leistungen ausging, sondern einfach verwundete und erkrankte Soldaten zählte. Nach
dem Krieg hingegen wurden von der Statistik tatsächlich nur jene Personen – seien
es Kriegsbeschädigte oder -hinterbliebene – berücksichtigt, die eine Rentenleistung
bezogen. Genau genommen, erfassen die für diesen Zeitraum vorliegenden Zahlen
daher
– insbesondere im Fall der Kriegsbeschädigten
– nur Personen, denen eine MdE
von wenigstens 15 % attestiert worden war. Man darf nicht übersehen, dass es darü-
ber hinaus auch Personen gab, die dieses Kriterium zwar nicht erfüllten, nichtsdes-
totrotz aber Leistungsbezieher im Sinne des IEG waren. Angehörige dieser Gruppe
hatten eine Gesundheitsschädigung erlitten, die zwar von den Gutachtern als nicht
ausreichend erwerbsfähigkeitsmindernd eingestuft worden war, die Betroffenen aber
dennoch berechtigte, in periodischen Abständen etwa eine Leistung aus dem Titel
„Heilbehandlung“ zu beziehen. Über die Größe dieser Gruppe von Kriegsbeschädig-
ten liegen keinerlei Informationen vor. Außerdem weiß man, dass manche, eigentlich
bezugsberechtigte Personen, aus welchen Gründen immer, auf ihre Ansprüche ver-
zichteten, und deshalb ebenfalls nicht gezählt wurden.1 Tatsächlich wird im Folgen-
den daher keine Kriegsopferstatistik dargestellt, die alle, in einem allgemeinen Sinn
als Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zu bezeichnenden Personen umfasst,
sondern eine Statistik staatlich anerkannter Bezieher und Bezieherinnen von Renten
aus dem Titel des IEG.
1 Franz Fahringer, Leiter der Invalidenentschädigungskommission Wien, erläutert zu einer Statistik des
Erledigungsstandes der Rentenanträge im Jahr 1922, dass in der Tabellenrubrik „Anderweitige Erledi-
gungen“ unter anderem auch Verzichtserklärungen von Antragstellern enthalten seien ; er quantifiziert
diesen Posten jedoch nicht ; Franz Fahringer/Karl Friedrich Büsch/Hans Liebl (Hg.), Kriegsbeschädig-
tenfürsorge in Wien, Niederösterreich und Burgenland von 1914 bis 1929, Wien 1929, S. 78.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Die Wundes des Staates
- Untertitel
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Autoren
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 586
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918