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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 483 -
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483Die Nachkriegsjahre daher gab es eigentlich nur zwei denkbare Wege, wie sich die Zahl der Rentenemp- fänger nach diesem Zeitpunkt noch verschieben konnte : durch eine Veränderung der MdE im Einzelfall nach oben oder unten, d. h. durch eine Verschlimmerung oder Verbesserung des Leidens, oder durch den Tod des Kriegsbeschädigten. Genesun- gen sowie Todesfälle unter den Kriegsbeschädigten verringerten die Zahl der von der Statistik erfassten Personen ; Verschlechterungen des Gesundheitszustandes konnten eine Erhöhung der Gesamtzahl der Rentenbezieher dann zur Folge haben, wenn die betreffenden Kriegsbeschädigten zuvor keine Rente erhalten hatten. Zusätzlich ist an- zunehmen, dass es auch innerhalb der Gruppe der Rentenbezieher infolge von Verän- derungen des Gesundheitszustandes verhältnismäßig große Verschiebungen gab. 14.1.2 Die Hinterbliebenen Die Daten, die aus dem Krieg bezüglich der Zahl der Hinterbliebenen nach verstorbe- nen Soldaten überliefert waren, erschienen den Verantwortlichen nach 1918 noch viel weniger zuverlässig als jene, die für die Kriegsbeschädigten zur Verfügung standen. Vielfach waren hier grundlegende Informationen auch einfach gar nicht vorhanden.20 Daher mussten nach Kriegsende neue Berechnungen angestellt werden ; zu diesem Zweck wurde zunächst die Zahl der gefallenen Soldaten geschätzt, wobei man auf 280.000 Tote für das Gebiet der Republik Deutschösterreich21 kam. Um aber aus die- ser Zahl den Anteil der verheirateten Gefallenen sowie die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Gefallenem zu errechnen, griff das Staatsamt für soziale Fürsorge, mangels anderen brauchbaren Materials für eine Hochrechnung, auf die Ergebnisse einer aus dem Jahr 1896 stammenden Untersuchung der Standesverhältnisse der Privatange- stellten zurück.22 Zwangsläufig mussten die Statistiker davon ausgehen, dass die  – wie sie selbst anmerkten  – äußerst schmale Schicht der Privatangestellten repräsentativ für die gesamte Bevölkerung stehen würde.23 Aus diesen Daten wurden der Anteil der 20 Es gab etwa keine Aufzeichnungen darüber, wie viele Angehörige die Unterhaltsbeiträge nach dem Tod des Familienerhalters weiterbezogen ; vgl. dazu Kapitel 2.4.1. 21 Die Gesamtbevölkerung wurde dabei wie bei der Schätzung der Zahl der Invaliden mit 9,5 Mio. ange- nommen ; Sten. Prot. KN, II. Session, 1919, Beilage Nr. 114, S.  35. 22 Diese Untersuchung liegt auch als Publikation vor : Die Ergebnisse der über die Standesverhältnisse der Privatangestellten im Jahre 1896 eingeleiteten amtlichen Erhebungen, Wien 1898. 23 Im Abschnitt über die Schätzung der Zahl der Hinterbliebenen ist dazu zu lesen : „Bilden auch die Privatangestellten nur eine schmale Schichte der berufstätigen Bevölkerung, so eignen ihnen doch Fa- milienstandsverhältnisse, wie sie bei dem überwiegenden Teil der Bevölkerung, insbesondere auch in den Kreisen der Arbeiterschaft und kleinen Landwirte vorausgesetzt werden dürfen“, in : Sten. Prot. KN, II. Session, 1919, Beilage Nr. 114, S.  38. Ob diese Behauptung einem Zweckoptimismus entsprang, der da- rauf beruhte, dass es einfach keine besseren Daten gab, oder ob man tatsächlich Hinweise besaß, die die
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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