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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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488 Statistik der Kriegsopfer Über die Gründe für die verhältnismässig starke Abnahme der Zahl zwischen 1922 und 1927 lassen sich nur Vermutungen anstellen. Geht man davon aus, dass es im April 1922 wirklich 143.000 Kriegsbeschädigte gab, so fallen nahezu 90 % des gesamten Rückgan- ges von 1922 bis 1938 in die ersten fünf Jahre dieser Zeitspanne (und hier wiederum größtenteils in das Jahr 1923). Die Gruppe der Kriegsbeschädigten verkleinerte sich bis 1927 um 26.000, bis 1938 dann aber nur mehr um 3.000 Personen. Es ist äußerst schwer festzumachen, welche Faktoren diesen starken Rückgang im Laufe der 1920er-Jahre  – um immerhin rund 20 Prozentpunkte gemessen an der extrapolierten Zahl der Ren- tenbezieher im April 1922  – bewirkten. Eine außerordentlich hohe Sterblichkeitsrate unter den Kriegsbeschädigten, aber auch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eines beträchtlichen Teils der Rentenbezieher könnten die Ursachen sein.31 Dass die Sterblichkeitsrate unter Kriegsbeschädigten in den ersten Jahren nach dem Krieg signifikant höher gewesen war als später, kann mit großer Sicherheit angenom- men werden. Andererseits ist aber natürlich auch denkbar, dass es doch eine größere Zahl von Leichtbeschädigten gab, deren Leiden faktisch ausheilten, weshalb sie aus der Statistik herausfielen.32 Die oben erwähnte starke Zunahme der Zahl der Hinter- bliebenenrentenbezieherinnen und -bezieher von 1923 auf 1924 stützt allerdings die Annahme, dass der Rückgang der Zahl der Invalidenrentenbezieher zum überwiegen- den Teil auf Todesfälle zurückzuführen ist. In dieselbe Richtung deutet die Kurve, die den Verlauf der Zahl jener grafisch umsetzt, die eine MdE von über 35 % aufwiesen (Diagramm 1). Nach einer signifikanten Abnahme von 1922 auf 1923 stieg diese Zahl relativ kontinuierlich bis 1938 wieder an. Die Abnahme innerhalb dieses einen Jahres machte nahezu zwei Drittel der Gesamtreduktion bis 1938 aus. Diese Entwicklung legt den Schluss nahe, dass zunächst tatsächlich sehr viele  – wie sich zeigen wird, wohl vor allem an Tbc erkrankte  – Kriegsbeschädigte starben, was die Zahl der Rentenemp- fänger mit einer MdE von über 35 % zunächst deutlich reduzierte. Aus Diagramm 1 ist weiters ablesbar, dass die Zahl der Leichtbeschädigten (MdE unter 35 %), die 1922 mit einer Einmalzahlung abgefertigt worden waren, kontinuier- 31 Die in der Regierungsvorlage enthaltene ausführliche Schätzung der Kosten, die das IEG verursachen würde, ging davon aus, dass die Ausgaben für die Kriegsbeschädigtenrenten in den ersten fünf Jahren nach Inkraftsetzung des Gesetzes um rund 44 % sinken würden. Es wird allerdings nicht ausgeführt, wie man zu dieser Einschätzung gekommen war, sondern es heißt nur lapidar, dass „infolge des Absterbens von Rentnern sowie infolge gänzlichen oder teilweisen Wiedererlangens der Erwerbsfähigkeit des Be- schädigten allmählich ein Abbau“ eintreten werde ; Sten. Prot. KN, II. Session, 1919, Beilage Nr. 114, S.  49. 32 Der Arzt Adolf Deutsch ging etwa davon aus, dass Malaria sowie „gewisse Neurosen“ gute Aussichten auf eine weitgehende Heilung haben und Kriegsbeschädigte mit diesen Diagnosen eine Rente nur vor- übergehend beziehen würden ; Adolf Deutsch, Statistisches Material über Kriegsbeschädigte, in : Der Invalide, Nr. 13/14 v. 25.7.1921, S.  2f, hier S.  2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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