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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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495Resümee : Prognosen und Fakten der infolge einer Schussverletzung an einer Lähmung, Versteifung oder einer anderen, teils schmerzhaften, wenngleich oft eher „unsichtbaren“, körperlichen Beeinträchti- gung litt. Adolf Deutsch wertete zusätzlich 2.000 Anträge auf Hinterbliebenenrenten aus, die nicht Angehörige von Gefallenen eingebracht hatten, sondern Angehörige von Kriegsbeschädigten nach dem Tod des kriegsbeschädigten Familienernährers (Tabelle 20). Demnach erlag der weitaus überwiegende Teil der kurz nach dem Krieg verstor- benen Kriegsbeschädigten der Lungen-Tbc (42,2 %). In Verbindung mit der Tatsache, dass über 40 % der Kriegsbeschädigten an „Lungen- und Kehlkopfleiden“ erkrankt waren (siehe Tabelle 19), kann dieser hohe Anteil der Tbc an den Todesursachen als weiterer Hinweis darauf interpretiert werden, dass die überproportionale Abnahme der Zahl der Kriegsbeschädigten bis 1927 sich eher aus einer äußerst hohen Mortalität der Kriegsbeschädigten erklären lässt, denn aus einer Genesung derselben. Wie hoch die Sterblichkeit unter Tbc-infizierten Kriegsbeschädigten vor allem in den ersten Nachkriegsjahren gewesen sein muss, erschließt sich auch aus einer anderen Quelle : Franz Fahringer gibt in der bereits mehrfach erwähnten Rückschau auf die Tätigkeit der Invalidenentschädigungskommission Wien an, dass im Jahr 1922 der Anteil der Tbc-Kranken an den Todesfällen mit 60 % am höchsten war und selbst im Jahr 1928 noch bei über 40 % lag.38 Die Tatsache, dass die Sterblichkeit gerade unter den Tbc-kranken Kriegsbeschädigten, die ihrerseits einen beträchtlichen Anteil aller Kriegsbeschädigten ausmachten, so hoch war, erhärtet die Annahme, dass zwischen 1922 und 1923 eine große Zahl von Kriegsbeschädigten  – bis zu 20.000 in ganz Ös- terreich  – an den Folgen ihrer Verletzungen bzw. Erkrankungen verstarb. 14.4 Resümee : Prognosen und Fakten Die 1919 in der Regierungsvorlage zum IEG getroffene Einschätzung ging  – bezo- gen auf die tatsächliche Bevölkerungszahl, die Österreich nach dem Friedensvertrag 1919 hatte, davon aus, dass  – Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene zusammenge- nommen  – etwa 300.000 Anspruchsberechtigte von den Leistungen des Gesetzes profitieren würden. Das hätte bedeutet, dass knapp 5 % (exakt : 4,6 %) der Bevölke- rung in die Kategorie „Kriegsopfer“ gefallen wäre. Demgegenüber dürfte der Höchst- 38 Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  114. Tuberkulose war  – besonders angesichts der schlechten Ernährungssituation nach dem Krieg  – generell vielfach ein Todesurteil ; vgl. z. B. die Zahlen bei Eduard Liszt, Der Einfluß des Krieges auf die soziale Schichtung der Wiener Bevölkerung, Wien- Leipzig 1919, S.  69f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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