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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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499Vereinsmitglieder terlandes behandelten Verwundeten und die aus den Lazaretten heimkehrenden Sol- daten die Träger der Bewegung. Der Sekretär des Zentralverbandes schrieb 1928 in seinem gerafften Rückblick auf die an der Jahreswende von 1918 auf 1919 in Wien praktisch wöchentlich stattfindenden Großversammlungen der Kriegsbeschädigten : „Leider muß ich gestehen, daß wir damals noch nicht so weit waren, auch der Witwen und Waisen zu gedenken. Deshalb keine Frau dabei.“1 Die Hereinnahme der Witwen in die Bewegung setzte zeitverzögert ein. Sie wurde von den Vereinen selbst initiiert, die die Hinterbliebenen im Frühjahr 1919 zu umwerben begannen, weil sie erkannten, dass diese Gruppe, die ja genauso zum Kreis der nach dem IEG Anspruchsberech- tigen gehörte, den Mitgliederstand schlagartig erhöhen konnte. Keine Organisation wollte auf die Vertretung der Witwen und Waisen verzichten und dieses Potential einem Konkurrenzverein überlassen. Dass die Verbände dadurch ihren Männerbund- Charakter weitgehend aufgaben, vom Militärischen abrückten und sich im Wort- sinn „zivilisierten“  – noch stärker als sie dies in den meisten Fällen von Anfang an programmatisch ohnehin versuchten  –, das prägte ihr Profil. Insbesondere der große Zentralverband trat als rein sozialpolitische Interessenvertretung auf, die mit einem soldatischen Traditionsverband, der nebenher auch soziale Anliegen verfolgte, nichts gemein hatte. Und die Tatsache, dass Kriegsopfervereine sich auch als Vertreter der Kriegswaisen sahen, wurde für ihr Auftreten in der Öffentlichkeit in der Folge von Bedeutung, war doch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung größer, wenn auf die Not von Kindern verwiesen werden konnte. Die meisten Kriegsbeschädigtenvereine benannten sich jedenfalls im Laufe des Jah- res 1919 oder später um und gaben den Witwen und Waisen auch im Verbandsnamen einen Platz.2 Nur in zwei Bundesländern organisierten sich die Witwen in eigenstän- digen Vereinen. In Tirol sammelte die Hauptmannswitwe Philippine Haas verwitwete Frauen und deren Kinder im Verein der Kriegs-Witwen und -Waisen Deutsch-Tirols,3 1 Rupert Kainradl, Wie wir die Ortsgruppe Wien gründeten, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928, S.  14 und S.  16, hier S.  16. 2 Der Zentralverband der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten gab sich im Juli 1919 den Zusatzti- tel Kriegsbeschädigten-Vereinigung der Invaliden, Witwen und Waisen ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Krie- gershinterbliebenen Österreichs) ; der Verband kriegsbeschädigter Intellektueller Deutschösterreichs nannte sich ab November 1920 Reichsverband kriegsbeschädigter Intellektueller Österreichs und Ver- einigung der Hinterbliebenen ; ebd., VIII 2910 (Reichsverband der kriegsbeschädigten Intellektuellen Österreichs) ; der Zentralrat reichte eine diesbezügliche Statutenänderung Ende 1919 ein ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1368, 32133/1919, StAfIuU v. 12.12.1919. 3 Ebd., Kt. 1559, Sa 44. Philippine Haas leitete den Verein bis zu ihrem plötzlichen Tod im Jahr 1929 ; Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 8/9 v. August/September 1929, S.  3.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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