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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 503 -
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503Vereinsmitglieder soldatischen Zusammenhang wahrgenommen wurden, lag unter anderem an den beson- deren Gründungszusammenhängen des deutschen Reichsbundes, der erstens schon im Krieg und zweitens als bewusster Gegenentwurf, aber eben auch in Konkurrenz zu den Kriegervereinen entstanden war. Die britischen Kriegsbeschädigten vereinigten sich  – nachdem es frühen, radikalen Gruppen nicht gelungen war, eine nationale Kriegsbeschä- digtenorganisation aufzubauen  – 1921 gemeinsam mit den Veteranen in der gemäßigten, staatlich geförderten und eher karitativ orientierten British Legion.18 Die französische Kriegsbeschädigtenbewegung wurde nach dem Krieg überhaupt vollständig in den Ver- sorgungsapparat integriert und mit quasistaatlichen Funktionen ausgestattet. Zwar gab es in Frankreich verschiedene Parallelorganisationen,19 doch die besondere gesellschaft- liche Stellung der französischen Kriegsbeschädigten, die nicht ex negativo über ihre verminderte Erwerbsfähigkeit, sondern  – anders als in anderen Ländern, wo dies oft nur rhetorisch geschah  – wirklich ausschließlich positiv, nämlich über ihren Dienst an der Nation, definiert wurden,20 schuf über alle Vereinsgrenzen hinweg eine Einheit unter den Kriegsbeschädigten, wie sie in Österreich und Deutschland unbekannt war. Was die tendenziell entpolitisierten Kriegsbeschädigten Großbritanniens und Frankreichs miteinander verband und zugleich von ihren deutschen und österrei- chischen Schicksalsgenossen unterschied, war, dass sie einerseits viel weniger Be- rührungsängste gegenüber den nicht kriegsbeschädigten Veteranen hatten, und sich andererseits nicht mit den Kriegerwitwen und Kriegswaisen zusammenschlossen. In den beiden Siegerstaaten war die Verbindung der Kriegsbeschädigten mit der Armee viel ungebrochener als in Deutschland und Österreich. Hier geschah die Gruppenbil- dung nicht in Abgrenzung vom Soldatischen, sondern gewissermaßen sogar (wie in Frankreich21) in dessen Tradition, jedenfalls aber (wie in Großbritannien) in einer von gegenseitiger Duldung und Achtung geprägten Gemeinsamkeit mit den Veteranen. schädigten Veteranen im Reichsbund nur 12 % ; James M. Diehl, The Organization of German Veterans 1917–1919, in : Archiv für Sozialgeschichte, 11 (1971), S.  139–184, hier S.  179 und S.  182. 18 Michael Geyer, Ein Vorbote des Wohlfahrtsstaates. Die Kriegsopferversorgung in Frankreich, Deutsch- land und Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg, in : Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 9 (1983) 2, S.  230–277, hier S.  258–264. 19 Die größte Organisation war die im Februar 1918 gegründete Union Fédérale ; daneben bestanden au- ßerdem die Union nationale des mutilés et réformés, die Associaton générale des mutilés de la guerre und die Fédération nationale ; Antoine Prost, In the Wake of War : Les Anciens Combattants and French Society, 1914–1939, Oxford 1992, S.  31. 20 Geyer, Vorbote, S.  239. 21 Manche der lokalen Kriegsbeschädigtenorganisationen Frankreichs akzeptierten auch „gesunde“ Ve- teranen als Mitglieder, die meisten Veteranen waren aber in Zweigvereinen der Union nationale des combattants organisiert ; Prost, In the Wake, S.  33f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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