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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 510 -
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510 Statistik der Kriegsopfervereine Die Sitze in den verschiedenen Kommissionen waren zwischen den Kriegsbeschä- digtenverbänden heiß umkämpft, und das hing nicht nur damit zusammen, dass hier  – wenigstens zu Beginn  – tatsächlich die Leitlinien der Kriegsbeschädigtenpolitik fest- gelegt wurden, sondern auch damit, dass die Mitgliedschaft in einer der Kommissionen einen sehr unmittelbaren Zugriff auf die knappen Ressourcen bot, die zur Verteilung gelangten. Vor allem in den Jahren bis etwa 1922 war die direkte Unterstützung der Kriegsopfer mit Nahrungsmitteln und Kleidung sowie die Ausgabe dieser Güter durch die Kriegsopfervereine ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Kriegsopferfürsorge und -politik. Anders als bei der Mandatsvergabe naschten bei den Finanz- und Na- turalzuteilungen auch die vielen kleinen Vereine mit. Ja, immer wieder wurde sogar gemutmaßt, dass viele Vereine überhaupt nur deshalb gegründet wurden, um an diesen Ausschüttungen partizipieren zu können. Der im Staatsamt für soziale Verwaltung für die Kriegsbeschädigtenfürsorge zuständige Sektionschef Friedrich Hock lehnte etwa im August 1919 die Beteilung eines Vereins mit Gütern ab, nachdem dieser offen ein- gestanden hatte, dass seine Tätigkeit überhaupt „erst durch die erhoffte Zuweisung von Waren auf Grund der gegenständlichen Gesuche in Schwung gebracht werden solle.“44 Es war wohl wirklich so, dass  – mehr noch als die Mitsprache  – die Tatsache, dass der Staat die Vereine zur Verteilung von Geldern und Waren heranzog, die Macht dieser Vereine begründete, wobei am attraktivsten jener Verein war, dem es gelang, die meisten oder besten Waren für seine Klientel zu akquirieren. Gerade die verschiede- nen Nahrungsmittel- und Bekleidungsaktionen, im Zuge derer zum Beispiel Schuhe, Anzüge, Erbsen, Bohnen, Selchfleisch, Zucker und ähnliche Artikel zur Verteilung kamen, machten einen Verband für seine Mitglieder interessant. Diese Waren hatten nicht nur in materieller, sondern auch in symbolischer Hinsicht eine große Bedeutung. Sie waren der sichtbare Ausdruck dafür, dass Kriegsbeschädigten geholfen wurde, und sie zeigten, wer ihnen half. Vereine, die viele Güter zu vergeben hatten, die eine große Zahl von Kindern in Ferienkolonien  – vielleicht sogar im Ausland  – unterbringen und die ihren Mitgliedern eine üppige Weihnachtsbescherung bieten konnten, diese Vereine waren mächtig. Doch nicht nur die Vereine profitierten von ihrer starken Involvierung in den Für- sorgeapparat. Auch die staatliche Verwaltung zog ihren Nutzen daraus. Sie bediente sich des hohen Organisationsgrades der Vereine, konnte  – wie es etwa das Staatsamt für soziale Fürsorge Anfang 1919 formulierte  – „in Anknüpfung an das eigene Orga- kommissionen. Ohne Mitgliederauszählung erhielt der Reichsbund angeblich ein Achtel der für Wien und Niederösterreich zur Verfügung stehenden Mandate, das wäre ein Schlüssel von etwa 87 zu 13 gewesen ; „Der Bruch getroffener Vereinbarungen  – ein System ! Auch der Reichsbund will sich von [sic] schriftlichen Vereinbarungen drücken“, in : ebd., Nr. 6 v. 30.6.1926, S.  4. 44 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1367, 20274/1919, Aktenvermerk v. 7.8.1919.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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