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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 513 -
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513Zahlen Die genauen Größenverhältnisse der Kriegsopfervereine blieben im Ungewissen. Den Staatsstellen erlaubte das, den Verteilungsschlüssel eigenmächtig festzusetzen und ab- zuändern  – der Zentralverband beklagte stets, dass das unter den bürgerlichen Regie- rungen zu seinen Ungunsten geschehen würde  –, doch auch die Vereine profitierten von der ungeklärten Situation : Sie konnten dem Vergleich mit der Konkurrenz aus dem Weg gehen, sich selbst als groß darstellen und die gegnerischen Vereine als bloße „Winkelorganisationen“52 abtun. 15.2.3 Rückläufige Mitgliederzahlen vor dem Hintergrund der politischen Reaktion. Die Entwicklung bis 1938 Überblickt man den gesamten Zeitraum von 1918 bis 1938, so gab es durchaus gra- vierende Veränderungen bei den Mitgliederzahlen. Das kann man zweifellos auch ohne durchgängige Zahlenreihen erkennen. Besonders interessant erscheint dabei die Entwicklung der beiden großen „Player“ Zentralverband und Reichsbund. Viele der in den frühen 1920er-Jahren (vor allem in Wien) entstandenen Vereine waren ja nur Übergangsphänomene gewesen. Andere hielten aufgrund eines a priori beschränkten Segments der vertretenen Kriegsopfer bei konstant niedrigen Mitgliederzahlen  – der Reichsbund kriegsbeschädigter Intellektueller beispielsweise bei etwa 5.000 Mitgliedern, der Verband der Kriegsblinden bei rund 150. Die beiden großen Vereine aber waren die eigentlichen Gegenspieler. Da Mitgliederzahlen lediglich punktuell vorliegen, können nur grobe Tendenzen der Entwicklung dargestellt werden. Der Zentralverband, der die Daten seiner 730 Ortsgruppen addierte, hatte nach eigener Angabe am 1. Jänner 1921 österreichweit knapp 160.000 Mitglieder, ein Jahr später über 198.000.53 Er musste aber eingestehen, die rein ziffernmäßigen Angaben der Ortsgruppen selbst nicht überprüfen zu kön- nen. Dem Sozialministerium, das eigentlich ein namentliches Mitgliederverzeichnis erwartet hatte, erschien die ganze Liste daher fragwürdig, doch es erhielt keine andere. Nach diesen Zahlen des Zentralverbandes stellten die Witwen54 übrigens ein Drittel der Mitglieder. Vergleicht man die Zahlen mit späteren Daten, so zeigt sich, dass 1921 und 1922 die Jahre der größten Ausdehnung des Vereins gewesen sein dürften. Die Zahl der 52 Sten. Prot. NR 1. GP, III. Session, 179. Sitzung v. 17.2.1927, S.  4564. Karl Drexel wehrte sich gegen Otto Bauers Behauptung, der Reichsbund sei nicht mehr als eine „Winkelorganisation“. Bauers Zwischenruf, während Drexel am Wort war, lautete kurz und bündig : „In Wien sicher !“ 53 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1395, 5098/1922. Der Zentralverband schrieb die Zahl für Kärnten vom Vorjahr fort und schätzte jene für das Burgenland. Die Zahl der Ortsgruppen datiert vom 1.1.1922. 54 Inklusive der  – allerdings äußerst geringen Zahl  – anderer organisierter Hinterbliebenen.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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