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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Seite - 514 -
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514 Statistik der Kriegsopfervereine Mitglieder des Zentralverbandes nahm danach bis 1933 wieder kontinuierlich ab. Für Tirol lässt sich das auch zahlenmäßig nachweisen : Den 8.329 Mitgliedern des Jah- res 192155 standen hier nur mehr 3.433 Mitglieder im Jahr 193356 gegenüber  – was einem Mitgliederschwund von fast 60 % entspricht. Auch für Wien gibt es Zahlen : Hier zählte der Zentralverband 1922 noch fast 44.000 kriegsbeschädigte Mitglieder,57 1929 waren es nur mehr 18.000,58 ebenfalls um 60 % weniger also. Diese Entwicklung dürfte jedoch nicht so sehr auf eine Abwanderung der Zentralverbands-Mitglieder zum Reichsbund zurückzuführen sein als auf den Rückgang der Zahl der Kriegsbe- schädigten insgesamt sowie die grundsätzliche Abnahme des Organisierungsgrades. Einerseits darf man nicht vergessen, dass die hinsichtlich der Mitgliederzahlen noch halbwegs gut belegten frühen 1920er-Jahre dem einschneidenden Knick in der Kriegs- beschädigtenstatistik zwischen 1922 und 1923 vorangingen,59 dass also in den späteren Jahren schon allein deshalb die Zahl der organisierten Kriegsopfer geringer war, weil es überhaupt weniger Kriegsopfer gab. Andererseits aber findet sich in der Kriegsbeschä- digtenstatistik nicht derselbe dramatische Rückgang, den die hier für Tirol und Wien genannten Ziffern zu den Mitgliederständen anzeigen. Einer 20-prozentigen Verrin- gerung der Zahl der Kriegsbeschädigten60 und -hinterbliebenen steht eine 60-prozen- tige Reduktion der Zahl der organisierten Kriegsbeschädigten gegenüber. Offenbar nahm das Bedürfnis, vielleicht auch die Notwendigkeit, sich als Kriegsopfer durch eine Organisation vertreten zu lassen, im Verlauf der Ersten Republik sukzessive ab. Neben der generell nachlassenden Bereitschaft, sich einem Verein anzuschließen, lässt sich aber dennoch auch eine Verschiebung feststellen, die dazu führte, dass mehr Kriegsopfer als früher dem Reichsbund beitraten. Für einen Vergleich zwischen dem Zentralverband und dem Reichsbund (anfangs noch unter dem Namen Verband christ- licher Kriegsinvalider, Kriegerwitwen und -waisen und im Wachsen begriffen) gibt es eine einzige halbwegs verlässliche Angabe aus der Frühzeit der Verbände ; sie bezieht sich auf die Steiermark : Dort waren 1921 92 % der Kriegsbeschädigten im Zentral- verband und 8 % im christlichsozialen Verein organisiert ; über die Witwen weiß man nichts.61 Es ist anzunehmen, dass sich dieses Verhältnis im Verlauf der nachfolgenden 55 Ebd. 56 „Die Stärke der Tiroler Kriegsopferverbände“, in : Der Invalide, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1933, S.  2. 57 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1395, 5098/1922. 58 „Der ‚Reichsbund‘ bei der Erhebung der Mitgliederstände  – unterlegen“, in : Der Invalide, Nr. 12 v. De- zember 1929, S.  18. 59 Vgl. Kapitel 14.2. 60 Rentenempfänger und Kriegsbeschädigte mit einer MdE von weniger als 35 % zusammengerechnet ; vgl. Diagramm 1 in Kapitel 14.2. 61 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1392, 31430/1921.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Die Wundes des Staates
Untertitel
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Autoren
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
586
Kategorien
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