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ernannt, welche Stelle er zwei Jährt
bekleidete. Unter allen diesen Beschäfti-
gungen wurden Vitrnv, Palladio
aufmerksam stndirt, Modelle, Bücher über
Baukunst fleißig geschafft, Entwürfe ge-
zeichnet und mit jenen der alten Meister
verglichen. Die Ansichten der damals
berühmten Architekten iiber sein Treiben
kümmerten ihn wenig; sein von dem S
dium der classischen Werke der Architek-
tur geläuterter Geschmack hatte mit dem
verdorbenen seiner Zeitgenossen nichts
gemein. Der Entwurf zn einem Maut-
haus, das zugleich als Thorwache für die
?ort9. 0ri6ntg.1s in Mailand dienen
sollte, den C. nicht als Mitbewerber,
sondern zu seinem Vergnügen ausgeführt,
erhielt solchen Beifall in den Kreisen, in
denen C. verkehrte, daß der Erzherzog
General - Gouverneur davon Kenntniß
bekam nnd die Zeichnungen zn sehen vev
langte. Sie gesielen auch dem kaiserl.
Prinzen. Ein anderes Mal wurde der
Ausspruch gethan, daß es unmöglich sei,
ein gut vertheiltes Landhaus in ein gleich-
seitiges Dreieck einzuzeichnen. Schon
Tags daranf brachte C. die als unmöglich
bezeichnete Lösung der Aufgabe mit, die
so ausgefallen war, daß sie allgemeines
Staunen erregte. Die Architekten vom
Handwerk sahen den auftretenden Genins
mit mißgünstigen Angen an u. der Adel sah
es ungern, daß Einer der Seinen ein Ge-
werbe ergriff, womit er sich zu Diensten
Anderer stellte. C. beirrten alle diese An-
sichten nicht. Die erste bedeutendere Ar-
beit, die er ausführte, war, daß er mit
Hilfe eines Zeichners den Plan der Ther-
men des Maximian Herkuleus, deren
Neste unter der Basilika von S. Lorenzo
und in der Umgegend liegen, aufnahm,
und dieselben im 1. Bande der „^n.ti-
okitH lombaräioo - luilknegi", welche
P. Fumagalli herausgab, veröffent-
lichte. C. wurde nun zum Mitgliede der
von der Kaiserin Maria Theresia gestifteten vaterländischen Oesellschaft in
Mailand ernannt. Nach dem Tode seines
Vaters trat C. sein Vermögen an; 1799
übertrug ihm der Gemeinderath die schwie-
rigen Geschäfte eines zweiten Commisfa'rs
bei den österreichischen Heeren, in welcher
Stellung C. sehr viel Gutes that. Nach
der in Folge der politischen Ereignisse
eingetretenen neuen Ordnung der Dinge
begab sich C. nach Venedig, wo er fast ein
Jahr lang die Denkmäler der Baukunst,
woran die Lagnnenstadt so reich, studirte.
In Folge einer Einladungseiner Frennde,
der Gebr. Znrla in Crema, ein Landhaus
in Vajano zu entwerfen und auszuführen,
unterzog sich C., der mittlerweile wieder
iu seine Heimat zurückgekehrt war, der
Ausführung dieses Auftrages, als ein
Erdbeben 1802 das halb vollendete Haus
und viele Gebäude der Umgebung insbe-
sondere iu Orzinovi zerstörte. Hier trat
nun C. zum ersten Male als werkthätiger
Baumeister auf und wirkte auf der Stätte
der Verwüstung mit so glänzendem Er-
folge, daß man über die Resultate seiner
Kenntnisse staunte. Die Errichtung von
Katafalken, die in Italien allgemeine Sitte
st, verschaffte C. anch Gelegenheit, Beweise
eines geläuterten Geschmackes zn geben.
Die für den Erzbischof Visconti, für
den Patriarchen Gamboni und für Graf
Anguissola von ihm errichteten erreg-
ten allgemeine Anerkennung; über ersteren
erschien im Drucke: „1^6 soisnni 686^rn6
äi N. FiUxxo Visconti
u. 4 X. X.). Als bei Gelegenheit der
Krönung Napoleons der Gemeinde-
rath zur Feier des Festes große Anstalten
raf, übertrug er an C. deu Entwurf ei-
nes Triumphbogens und anderer zu die-
em Zwecke erforderlichen Bauten. Als
Napoleon den Ausbau der Stirnseite
es Mailänder Domes angeordnet hatte,
reichte auch C. 3 Zeichnungen eines Ent-
wurfes ein, der dem gothischen Style der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon