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pfelpuuct erreicht hatte, verließ. Vorerst
zog er in seine Heimat, im Kreise der Sei-
nen sich behaglich fühlend; dann holte ihn
der römische Senator, Fürst Rezzonico,
;neinerNeise nach Deutschlandab (1793).
In Wien wurde C. festlich empfangen.
Da Venedig österreichisch geworden, über-
nahm mau in Wien auch die Auszahlung
der lebenslänglichen Pension, doch mußte
C.die Studieudirectiou der österreichischen
Pensionäre in Rom übernehmen. Anf sei-
ner Rückkehr besuchte C.noch einmal seinen
Geburtsort, uud als Pius VII. den
päpstlicheu Stuhl bestiegen, eilte auch C.
nach Nom, wo sein Freund Ant. d'Este,
iem Eigenthum iu verhäuguißvoller Zeit
geschützt hatte. Nun uahm er das be-
rühmte, in Wieu bestellte Werl, das jetzt
in der dortigen Augustiuertirche steht:
„Das OrMenKmlll ber Orzhr^ogin il)hn8tine",
in Angriff. Papst P ius VI I . , der deu
Künstler persönlich kcunen gelernt, wen-
dete ihm sein Wohlwolleu zu, ernannte
ihn zum Oberausseher des Departements
der schönen Künste für deu Kircheustaat,
welche Würde, so lange C. lebte, anf kei-
nen andern übertragen werden konnte.
In dieser Eigenschaft kouute C. viel nützen
mid traf Maßregeln, welche die Kunst
nach den verschiedensten Niclnungeu hin,
durch Ankäufe von Sammlungen, Ausgra-
bungen, Nestanrationen u.d.m. förderte.
Eiuer Aufforderung N apoleo n s, nach
Paris zu kommen, wo der erste Cousul
für den Küustler eine Arbeit bestimmt
hatte, leistete C. erst auf des Papstes drin-
gendes Zureden Folge. Der Cousul hatte
durch eigenhändige Beglaubigungen den
Küustler der Untersuchung an denMauth-
amteru überhoben. Der Empfang Ca-
nov a's von Seite Napoleons war sehr
huldvoll. Fünf Tage saß ihm Napoleon
nnd Canova schuf jeue Büste, welche
wohl die ähnlichste dieses Cäsars der Neu-
zeit ist. Bei seinen Unterredungen mit
Nap ole on beklagteC. die Verschleppung 253
der alten Kunstwerke vom heimischen Bo-
deu vor jenem, der sie angeordnet. Ca-
uova's Anfenthalt in Paris war eiue
Reihe von Festen, und ein Gleiches bei
seiner Rückkehr iu den Städten, die er
pasfirte, der Fall. Nun drängten sich die
Arbeiten. C. war von des Heros eigen-
thümlicher Weise tief ergriffen, ja enthu-
siasmirt wordcu und ging mit Liebe au
das Colossalbild desselben (Vergl. dar-
über die Geschichte der einzelneu Kunst-
werke in den Quellen). Nach Vollendung
der Statue Bon aparte's nahm C. das
Mausoleum der Erzherzogin Christine
wieder vor nnd vollendete dieses (1605).
Mehrere Keuotaphien und Denkmäler
fallen in diese Zeit, in welcher der
Künstler von den Zeitereignissen sehr ver-
stimmt war. Als ^'t.'n'c/6,lt^/)e^siilo c/e/iii
clett6 5tmoi6 <^i lUl^o, wozu der Papst ihn
ernannt, wirkte C. auch für künstlerische
Zwecke. Als mm Rom Hauptstadt einer
französischen Provinz geworden, wurde
C. französischer Seits in die Commission
der Künste bernfeu, er aber, der alle
Plünderungen u. Erpressungen der Fran-
zosen nicht gut heißen wollte, nud sie in
dieser Stellung hätte gutheißen müssen,
verweigerte energisch die Annahme, u. die
Direction der Sammlungen übernahm er
unr unter der Bedingung, daß nichts
mehr von dort entfremdet werde, ja ver-
weigerte, um seine Unabhängigkeit zn be-
wahren, allen Gehalt. Ein Decret vom
1. Angust 1809 ernannte ihn zum Mit-
glied des Senates von Frankreich, auch
diese Erneuuuug schlug C. entschieden aus,
und als ihn der Kaiser Napoleon auf-
forderte, sich in Paris niederzulassen
(1810), lehnte C. diese Aufforderung iu
einer Antwort au deu Generalintendanten
Napoleons in eiucr Weise ab, welche
das herrlichste Zeugniß der Seeleugröße
dieses seltenen Mauues gibt. Wohl aber
begab er sich nach Paris, um die Büste
der Kaiserin zu beginnen, traf am 11. Oct.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon