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lerweile eingetroffener Freund Ant. d'E st e
unterstützt, und die englische Negierung
ihm zu diesem Behufe ans eigenem An-
triebe die Summe von 100,000 Francs
überwiesen nnd später znr Wiederanfstel-
lung der Kunstschätze in Rom eine gleich
großeSnmme hinzugefügt. Um demPriuz-
Regeuten Englands dafür seinen Dank
abzustatten, begab sich C. (im November
1815) nach London, wo sein. Empfang
eben so huldreich als festlich ausfiel. I n
gleicher Weise fand seine Rückkehr nach
Rom Statt. Rom ehrte den Künstler durch
Einschreibung in's goldeue Buch, durch
Ertheilnng des Marqnisats und eine Iah
respension von 3000 Scndi. Diese letzte
verwendete C. in folgender Weise: Er
bcstiinmte für die archäologische Akadenne
zur Bestreitung ihrer Anslagen jährlich
600 Scndi; alle 3 Jahre drei Preise tV
120 Scudi für Arbeiten der Vildnerei,
Malerei nud Baukunst; den Prcisgewiu-
ueru eiue Pension jährlicher 240 Scudi
für 3 Jahre: 120 Scudi der Akademie
S. Luca für Ankauf ueuer Werke uud znr
Führung des Geschäfts; der Akademie
der I^wooi (bie sich mit Natnrforschuug
befaßte) einen jährlichen Zuschuß von 120
Scudi; nnd jährlich 1100 Scudi für arme
bejahrte arbeitsunfähige Künstler; uud
um seinen Willen ohue Parteilichkeit er-
füllt zu sehen, wurde die Ausführung
füuf Professoren von S. Luca überlassen.
Die längere Zeit der Muße wich unn ueuer
Arbeit, uud C. weihte diesen Vegiuu mit
WashingtonsStandbildein(1818).das
er iu Augriff nahm; die Erfilllnug mehre-
rer in London erhaltener Aufträge folgte;
zugleich wollte er aber der Nachwelt ein
Zeugniß geben, wie thener nnd heilig
seincm Herzen Cnltns uud Religion wa-
ren, nud er begann ein großartiges Denk-
mal für seinen Geburtsort Poffagno, wozu
am 11. Inl i 1819 der erste Stein auf
das Festlichste gelegt worden, uud wohin
er jährlich zurückkehrte um zu sehen, wie 255
weit der Bau des Tempels gediehen.
Die Ausführung dieser Scnlpturen, die
in Reliefs nnd Statuen der Gruppe
der Piet^ u. a. bestanden, diese sich
selbst auferlegten nnd zahlreichen bestell-
ten Arbeiten, hatten aber den Künstler
sehr angegriffen. Ein Magenübel, an dem
er bereits seit längerer Zeit litt, nahm zu,
uud im Frühjahre 1822 wurden die Sym-
ptome noch bedeutender. Eine Reise nach
Neapel war für seine Gesundheit erfolglos
geblieben. Nach Rom zurückgekehrt, ver-
grub er
sich, statt
sich Ruhe zu gönnen, noch
mehr inArbeit. Schon konnte er denMeißel
nicht mehr halten, als er dem Drängen
seiner Freunde nachgab uud znr Erholuug
nach Possagno reiste. Aber entkräftet, fast
aufgelöst kam cr Mitte Sept. in seinem
Geburtsorte au, dort schien er
sich
in den
ersten Tagen seiner Nüclkehr zu erholen,
aber Anfangs October verschlimmerte sich
sein Zustand der Art, daß er, um ärzt-
licher Hilfe nahe zu scin, nach Venedig
reiste, wo cr am 4. October Abends an-
kam. Scin Magenleideu, schon früher als
er, 30 I . alt, am Mausoleum des Pap-
stes Gangauell i und an einigen andern
Deulmälcrn zu augestreugt mit dem Boh-
rer arbeitete, veranlaßt nnd durch Aerger
übcr die Hindernisse, die sich der Aufstel-
lung der Statue der Rcligiou in der St.
Pcterskirche entgegenstellten, wesentlich
Endlich nach deulcideuvollstenTageu nahm
iu seinen letzten Stunden, iu deueu Graf
Cicognara nicht von sc iuer Seite wich,
sein Angesicht den AuSdrnck der Begeiste-
rung an, alle die heiteren Gestalten seines
Lebens schienen um seine Stirne zn schwe-
ben ; mn'mtt M?-a e bel/n, waren die letz-
ten verstäudlichenWorte.die er ausgerufen,
gegen 8 Uhr Morgens am 13. October
1822 war der große Künstler eutschla-
fen. — Am 16. October fanden die
Leichenceremonien zu S. Marco in
Venedig Statt. Patriarch Ladislans P v r-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon