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Erfolge gegeben wurde. Damals erschie-
nen auch seine ersten gesammelten Ge-
dichte unter dem Titel: „Portichr 6löt-
lmge" und dem Pseudonym: Noscn-
feld (Wien, Wallishausser), iu welchem
Verlage auch mehrere Jahre hindurch
von ihm redigirt die Hoftheater - Ta-
schenbücher herauskamen. Mit seinem
wahren Namen trat C. zuerst in den nach
dem Französischen bearbeiteten kleinen
Lustspiel „Todt nck lebendig" 1803 auf, wel-
ches so sehr gefiel, daß er sich später und
mit entschiedenem Glücke der Bearbeitung
französischer Stücke für die deutscheBühue
zuwendete. Als im I. 1805 die Frauzo.
sen iu Wicn als Feinde einrückten, erhielt
C. den Auftrag als ständischer Lieferuugs-
Commifsär nach Purkersdorf abzugeheu,
wo iu schwieriger Stellung seine Entschlos-
senheit und sein Humor gute Dienste lei-
steten. Im I . 1803 wurde C. vou dem
zmn Gouverneur ernannten Freiherrn
vou Barteusteiu zum Secrcta'r erwählt,
jedoch die unglückliche Schlacht bei Regens-
burg vereitelte, daß C. diesen Dienst an-
trat. In dieser Zeit hatte C. mehrere
Kriegs- und Wehrmannslieder, Aufrufe
an Soldaten und Volk geschrieben, die
ihrer populären Fassung wegen leicht Ein-
gang fanden; insbesondere war das
„Kriegslied für die österreichische Armee"
in Aller Munde. Erzherzog Karl ließ es
in vielen tausend Exemplaren drucken und
unter die Soldaten vertheilen. C.'s Name
stand darunter. Die Franzosen wurden
nunmehr auf diesen Namen aufmerksam
und C., zugleich mit Heinrich von Col-
lin, welcher Wehrmauuslieder ge-
dichtet, und mit Carpaui, welcher als
Intendant bei der italienischeu Armee
dieute, wurden im „Uoniwui'" öffentlich
in die Acht erklärt und zugleich die Bemer-
kung beigefügt, daß die Genannten, wo
sie immer getroffen würden, den Militär-
gerichten zu unterziehen seien. Je weiter
der Feind im Lande vorrückte, desto be- denklicher wurde C.'s Lage und in dieser
Gefahr nahm er sich den Muth und ging
nach Dotis in Ungarn, wo Kaiser Franz
sich aufhielt, nm den Monarchen zu bitten,
ihn durch eine Seudung von Urknnden,
Knnstschätzen u. d. m. aus der für C. so
gefährlichen Nähe der Franzosen zn brin-
gen. Der Bescheid, den C. auf sein An-
suchen erhielt, fiel gegen seine Erwartung
ans und war nicht geeignet, C. zu ermu-
thigen. Als er zurückkehrte, erbarmten
sich die Stände des so schwer Bedrohten,
und gaben' ihn einem Nechuungsoffizial,
der als Trausport^Conunissär nach Un-
garn abgeschickt wnrde, als Begleiter mit.
So entging C. aller Gefahr. Seine dra-
matischen Arbeiten hatten immer mehr
und mehr Beifall erhalten, insbesondere
sein Textbuch „Ne SchmcheMnilie", wozu
Weigl die Musik compouirt und welches
1811 feine Anstellung als Hoftheaterdich-
ter am k. k. Hoftheater nächst dem Kärnth-
nerthore zur Folge hatte, vou welcherStelle
aber C. abtrat, als Graf Palffy.1814
die Leitung der beiden Hoftheater über-
nahm. Im 1.1312 begann C. die Her-
ausgabe des Taschenbuches „Zelam" (Wieu,
Strauß), wovon 7 Jahrgänge erschienen.
Im I . 1815 begleitete C. den Grafen
Cavriani, welcher zum Gouvernements-
rath in einem der oceupirten Theile
Frankreichs eruanut worden, iu der Ei-
genschaft eines Secretärs nach Bourg en
Bresse und blieb in derselben Stelle, als
Cavriaui's Posten später Freiherr
Joachim Münch vou Bellinghausen
übernahm. Nach Wieu zurückgekehrt, trieb
er nun in den Tagen des noch jnngenFrie-
dens mit verdoppeltem EiferLiteratur, und
unternahm, theils zum Vergnügen, theils
um sich zu unterrichten, in den Jahren
1819 und 1822 Reisen nach Baiern, Ty-
rol, der Schweiz, nach Mailand, Venedig
und dem Küsteulande, von denen er reich
an bleibenden Eindrücken und interessan-
ten Anschauungen zurückkehrte. Ein im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon